Wien.Es ist Dienstag, 16 Uhr. Saal 4 im Messe Wien Congress Center ist noch leer. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Sitzordnung anders ist als sonst: Die Sessel sind so angeordnet, dass jeder zwangsläufig ein Gegenüber hat. Das soll auch so sein, denn die rund 40 Teilnehmer der nun folgenden Veranstaltung, die jetzt nach und nach eintrudeln, sollen einander kennenlernen. Sie sind aber keine einsamen Herzen auf der Suche nach dem Mann oder der Frau fürs Leben, sondern Besucherinnen und Besucher des diesjährigen Jungunternehmertags, die das Ziel verfolgen, hier nützliche geschäftliche Kontakte zu knüpfen.

Reden und zuhören

Michaela Schara von der Kommunikationsagentur midesign begrüßt die Teilnehmer dieses Business Speed Datings und erklärt die Regeln: "Jedes Paar hat genau sechs Minuten Zeit, um sich gegenseitig kennenzulernen. Dann ertönt ein Gong, und jeder rückt einen Platz weiter. Halten Sie bitte Ihre Visitenkarten bereit." Runde eins wird eingeläutet, und es erhebt sich Stimmengewirr. Nach exakt sechs Minuten findet der erste Wechsel statt, und so geht es weiter, bis zwölf Runden absolviert sind. Zum Schluss wird die strenge Sitzordnung aufgelöst, und jeder darf sich selbst einen Gesprächspartner suchen. Offenbar stimmt die Chemie zwischen vielen Teilnehmern, denn nach der Veranstaltung geht das "Netzwerken" munter weiter.

"Mir hat es viel gebracht", sagt Jungunternehmerin Patricia Sedlar. Sie habe selten Gelegenheit, sich in so kurzer Zeit mit so vielen Menschen auszutauschen, die - wie sie - den Sprung in die Selbständigkeit gewagt haben oder es noch vorhaben.

"Das Problem bei vielen Veranstaltungen ist, dass man rumsteht, bis man ein bekanntes Gesicht sieht. Mit dieser Person redet man dann den ganzen Abend lang und lernt im Endeffekt niemand Neuen kennen", bringt es Kommunikationsberaterin Schara auf den Punkt. Sie hat auch ein praktisches Notizbuch entworfen, in das die beim Speed Dating gesammelten Visitenkarten eingeklebt oder Namen, Kontaktdaten und weitere Infos notiert werden können.

Ihr Tipp: Immer aufschreiben, wo und wann man einen Kontakt geknüpft hat. Dann habe man einen ersten, wichtigen Anhaltspunkt, wenn man sich - vielleicht erst nach Jahren - wiedersieht.

Postive Bilanz

Die Bilanz der Wirtschaftskammer Wien als Hauptveranstalterin des Jungunternehmertags fiel positiv aus: Rund 1800 Besucherinnen und Besucher nutzten am 18. Oktober die Gelegenheit, um sich bei freiem Eintritt bei 50 Ausstellern und 18 Vorträgen eingehend über die Möglichkeiten und Chancen der Selbstständigkeit zu informieren.

Als Keynote Speaker konnte der blinde Berufsbergsteiger Andy Holzer gewonnen werden. Sein Thema: "Über sich hinauswachsen." Für alle, die langfristig planen: Nächstes Jahr findet der Jungunternehmertag am 16. Oktober statt.