Klagenfurt. Eigentlich hätte man meinen können, die Bank würde nie wieder einen Cent zurückerhalten: Vor gut einem Jahr hat die Kärntner Hypo wegen eines umstrittenen 1,5 Millionen Euro schweren Kredits, der Ende 2007 an eine Firma des kroatischen Unternehmers Goran Strok vergeben worden war, gegen ihre Ex-Vorstände Josef Kircher, Wolfgang Peter und Paul Kocher sowie einen früheren Prokuristen eine Klage eingebracht. Darin wurden die beiden Immobilien in Gruda und Cavtat, die als Sicherheiten für den Kredit dienten, noch als "Ruinen" bezeichnet, deren Verwertung kaum etwas einbringen würde. Nun konnten die Liegenschaften um 900.000 Euro verkauft werden.

Der angebliche Schaden, den die Hypo einklagt, schrumpft damit auf rund 600.000 Euro. Das ist zwar immer noch viel Geld, aber bei weitem nicht viel wie erwartet. Der Streitwert bewegt sich nun in einem Bereich, in dem sich die Frage stellt, ob die Kosten eines langen Verfahrens mit zahlreichen Zeugen, die aus London, Washington, Zagreb und Dubrovnik eingeflogen werden müssten, sowie möglicherweise einem teuren Sachverständigen noch gerechtfertigt sind. Richter Markus Tilly regte am Donnerstag nach Ende der zweiten Tagsatzung an, dass die Parteien nach einer außergerichtlichen Lösung suchen könnten. Die Immobilien, die als Sicherheiten dienten, hätten zum Glück für die Hypo "nicht zu einem so schlechten Preis" verkauft werden können. Tatsächlich war ein Schätzgutachten der Bank von Dezember 2010 von 800.000 Euro Verkehrswert ausgegangen, nun wurden 900.000 Euro erzielt.

Auf Beklagtenseite gibt es aber Zweifel am Verwertungsprozess: Andere Schätzgutachten hätten einen Wert von 1,7 Millionen Euro ergeben, heißt es. Es sei aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht nachvollziehbar, weshalb die Hypo beim Verkauf 600.000 Euro Abschlag von auf ihre ursprüngliche Forderung gewährt habe.

Details will die Bank nicht vorlegen, da der Deal Teil eines großen Verkaufsprozesses gewesen ist, über den Stillschweigen vereinbart worden sei. Tatsächlich wurden vor einigen Monaten nicht nur zahlreiche Strok-Hotels an einen chilenischen Investor veräußert, sondern eben auch die Projektgesellschaft Jadranski Razvoj, um die es in diesem Verfahren geht, sowie Liegenschaften auf der Insel Jakljan bei Dubrovnik, für die die Hypo ebenfalls eine umstrittene Finanzierung gewährt hatte.

Im aktuellen Verfahren wirft die Hypo ihren ehemaligen Managern jedenfalls vor, Sorgfaltspflichten verletzt und gegen interne Regeln bei der Kreditvergabe verstoßen zu haben. Die Betroffenen weisen dies vehement zurück. Es wird betont, dass damals das Gesamtengagement - und damit das Risiko - der Hypo bei der Strok-Gruppe von 109 auf 48 Millionen Euro verringert werden konnte und Strok für den Razvoj-Kredit 190.000 Euro an Zinsen gezahlt habe. Dass eine vollständige Tilgung nicht erfolgen würde, sei bei Kreditvergabe nicht absehbar gewesen. Die nächste Verhandlung soll im März oder April stattfinden.