Wien. "Was, du willst zur Polizei? Das sind doch eh alles Rassisten. Was machst du dort?" Christian Doneis, Gruppeninspektor der Wiener Polizei, deutet mit solchen Worten etwas polemisch an, was sich Jugendliche mit Migrationshintergrund oft von Freunden anhören können, wenn sie überlegen, zur Polizei zu gehen. "Ich bin viel in Schulen unterwegs und da bekomme ich immer wieder die Frage von Migranten gestellt: Ich möchte auch zur Polizei gehen. Kann ich das überhaupt?" Der Polizist stellt klar: Wenn man die Voraussetzungen für die Aufnahmeprüfung erfülle, sei es "vollkommen egal, welchen Migrationshintergrund man hat. Die Möglichkeiten, bei der Polizei Karriere zu machen, sind ebenfalls gegeben."

Wenig verwundert über das schlechte Image der Polizei bei jugendlichen Migranten zeigt sich hingegen Wolfgang Zimmer, Leiter der Zara-Beratungsstelle für Opfer und Zeugen von Rassismus: "Die Rassismusvorfälle der Polizei sind in etwa gleich geblieben. Es gibt zwar Initiativen wie das vom Innenministerium propagierte Projekt Polizei-Macht-Menschen-Rechte, bei dem auch Zara dabei ist. Man versucht auch in der Polizei-Ausbildung was einfließen zu lassen. Leider ist das aber immer noch zu wenig."

Christian Doneis, ein Polizist und Sohn eines nigerianischen Vaters, findet die Vorwürfe teils überzogen. Er gibt zu, dass Kollegen, die privat keine Erfahrungen mit Afrikanern haben, beruflich aber mit vielen kriminellen Afrikanern zu tun haben, zu Vorurteilen neigen. Das müsse dann aber nicht immer gleich Rassismus sein. Christian Doneis ging 1982 zur Polizei und war laut eigenen Angaben der erste Polizist in Österreich, der afrikanische Wurzeln hatte. "Am Anfang war das Erstaunen bei den Kollegen schon da, aber man hat mir die Chance gegeben, mich als Person einzubringen." Heute ist er als Gruppeninspektor in der Drogenprävention und der Fußball-Fanbetreuung tätig.

Darüber hinaus ist Doneis auch Mitarbeiter beim Verein "Fair und sensibel", der im Jahr 2000 vom damaligen Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit Erik Buxbaum gegründet wurde, um Vorurteile zwischen Schwarzen und Polizisten abzubauen und ein gegenseitiges Kennenlernen zu fördern. "Fair und sensibel" fungiert als Ansprechpartner und Informationsstelle für Zuwanderer, insbesondere Afrikaner, und Einheimische. Wer aufgrund seiner Hautfarbe Probleme mit der Polizei hat oder wer umgekehrt wegen eigener Vorurteile Probleme mit Afrikanern in seinem Umfeld hat, kann sich an "Fair und sensibel" wenden. Auch Podiumsdiskussionen und Workshops werden veranstaltet. "Uns ist es sehr wichtig die Role-Models der Polizei - Polizisten mit Migrationshintergrund - hervorzuholen. Wir wollen positive Stimmung verbreiten, um Migranten die Angst vor der Polizei zu nehmen", sagt Vereinsobmann Josef Böck.

Eine wichtige Säule von "Fair und sensibel" ist ein hauseigenes Musikprojekt, bei auch selbst geschriebene Songs gespielt werden. Robert Grand, Gruppeninspektor sowie Gitarrist und Sänger der Band: "Musik geht über jede Nation hinweg, Musik ist international, ich brauche die Sprache nicht zu können. Hier transportieren Polizisten und Afrikaner Freude und Spaß." Er erzählt von einer Begegnung in einem Linzer Wirtshaus. "Ich bin zu den Tischen gegangen und habe Einladungen für unsere Veranstaltung am Abend verteilt. Einer sagte: ,Aha, ihr seid’s Polizisten! Mit Afrikanern arbeitet ihr zusammen? Seid’s schon deppert? Nehmt’s a schon Drogen? Ich hab gleich mit ihm ein Gespräch angefangen und wir haben diskutiert." Schlussendlich kam auch der Wirtshausgast zur Veranstaltung.

Vorurteilsfreie Polizisten?

"Der Verein ,Fair und sensibel kann grundsätzlich nicht schlecht sein", sagt Zimmer von Zara. "Er ist aber kein Allheilmittel gegen Diskriminierung. Diese wird man nie ganz wegbekommen. Polizisten sind im Stress und haben von Haus aus Vorurteile." Barbara Sahab, die als Anti-Diskriminierungs-Trainerin des Programms "A World of Difference" interkulturelle Workshops mit Polizisten leitet, meint dazu: "Jeder Mensch hat in gewisser Weise Vorurteile. Beim berühmten ersten Eindruck gegenüber einem anderen Menschen steckt man diesen sehr schnell in bestimmte Schubladen, ohne ihn zu kennen. Die Frage ist, ob wir auch danach handeln."

Polizisten verstünden, was Vorurteile sind, weil sie selber Vorurteilen ausgesetzt sind. In den dreitägigen Trainings, die für Polizisten verpflichtend sind, wird viel Augenmerk auf die eigene Identität gelegt. "Es geht darum herauszufinden, wie man selber verankert und wie man sozialisiert ist", sagt Sahab. Themen wie Sprachgebrauch, Anti-Diskriminierung und interkulturelle Kompetenzen stehen im Vordergrund. "Am liebsten hätten alle ein Rezept. Das gibt es aber nicht. Wir basteln die Agenda und haben einen roten Faden, der uns letztendlich zu den persönlichen Handlungsstrategien bringen soll. Der Weg dorthin ist aber immer unterschiedlich."

Das Programm "A World of Difference" wurde im Jahr 1985 als Folge rassistisch motivierter Ausschreitungen in Boston von der weltweit tätigen Menschenrechtsorganisation "Anti-Defamation League" ins Leben gerufen. Seit 2001 hat es durch Kooperation mit dem Innenministerium auch in Österreich Eingang gefunden. Die Trainings sind bereits Teil der Grundausbildung von werdenden Polizeibeamten. Ein von der NGO ausgebildeter Polizist und ein NGO-Mitarbeiter leiten die Workshops an denen zwischen 20 und 22 Personen teilnehmen.

Sahab ist noch nicht zufrieden: "Die Nachhaltigkeit kommt ein bisschen zu kurz. Wir bieten in geringerem Maße Folgetrainings an, das Kontingent dafür ist aber übervoll. Es müsste auch mehr Polizisten auf der Führungsebene geben, die an den Workshops teilnehmen." In die Zukunft blickt sie positiv: "Auch wenn man es jetzt noch nicht sieht: Die Polizei wird viel bunter werden."