Wien. Mit einer handfesten Überraschung eröffnete Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl am Donnerstag den zweiten Tag des Wirtschaftsparlaments: "Ich habe Bundesminister Rudolf Hundstorfer eingeladen, der Einladung zum Festvortrag (Thema "Herausforderungen für Politik, Unternehmen und Beschäftigte einer älter werdenden Gesellschaft", Anm. d. Red.) nicht nachzukommen", sagte WKO-Präsident Christoph Leitl.

Vorausgegangen ist dem ein wochenlanges heftiges Tauziehen um die Neubesetzung der Führungsposition im Wiener Arbeitsmarkt Service (AMS): "Dort soll die Drittgereihte statt der Erstgereihten zum Zug kommen. Dabei spielen die unterschiedlichsten Interessen, in die der ÖGB, die AK, der Bundesminister selbst und vor allem - wenn auch im Hintergrund - die Politik in Wien involviert sind, eine Rolle", führte Leitl aus und stellte vor den Delegierten klar: "Sozialpartnerschaft darf nichts mit Packelei und Mauschelei zu tun haben."

"Es geht nur um’s Prinzip der Bestqualifikation"

"Ich kämpfe in diesem Fall einzig und alleine um das Prinzip der Bestqualifikation, ich kämpfe in diesem Fall für eine Frau aus den Reihen der Arbeitnehmer, welche um ihre Chance gebracht werden soll. Die beste Qualifikation muss Vorrang haben vor Parteibuchwirtschaft", betonte Leitl. "Das habe ich im Jahr 2000 mit ÖGB-Chef Verzetnitsch vorangebracht."

Ein Sprecher von Sozialminister Rudolf Hundstorfer wies die Proteste entschieden zurück: Dem Minister sei von einem externen Personalberater zwar ein Dreier-Vorschlag für die Nachfolge der scheidenden AMS-Wien-Geschäftsführerin Claudia Finster übermittelt worden, aber Reihung habe es keine gegeben. Parteipolitik habe bei der Entscheidung "überhaupt keine Rolle" gespielt. Hundstorfer halte Draxl - bisher Abteilungsleiterin des Europäischen Sozialfonds im Sozialministerium - für die qualifizierteste Bewerberin.

Sobald ihr die Entscheidung - die sie bisher nur aus den Medien kennt - offiziell mitgeteilt wird, will die bisherige Stellvertreterin Inge Fries klagen; sie hätte als Bestgereihte laut Stellenausschreibungsgesetz zum Zug kommen müssen, meinte sie - die WKO wird sie unterstützen.