An die Spielregeln halten müssen sich Werbetreibende. - © fotolia
An die Spielregeln halten müssen sich Werbetreibende. - © fotolia

Wien. Ein Kärntner Holzbetrieb, der mit einem nackten Frauenoberkörper und dem Spruch "Wir haben jede Menge Holz..." warb, und eine in Folie gewickelte Frau als Blickfang für eine Linzer Verpackungstechnikfirma: Es sind immer wieder ähnliche Werbesujets, die vom Werberat gestoppt werden. "Manchen Unternehmen fehlt nach wie vor das Fingerspitzengefühl und das Know-how für gute Werbung, die sich an die Spielregeln hält", sagt Werberat-Präsident Michael Straberger.

Von den neun Stopps der Selbstkontrollstelle bisher in diesem Jahr waren vor allem Klein- und Mittelbetriebe betroffen, die geschlechterdiskriminierende Motive ohne Bezug zum Produkt abbildeten. "Auch wenn die Provokation zum Teil beabsichtigt ist: Die Unternehmen tun sich damit nichts Gutes, weil Konsumenten negativ auf solche Werbung reagieren", sagt Straberger.

Auch der internationale Elektronikriese Sony wurde zum sofortigen Stopp seiner Kampagne aufgefordert. Der TV-Spot für die Spielkonsole Playstation Vita zeigt Kampfszenen aus dem Krieg, die Protagonisten rufen am Ende zum "Mitspielen" auf.

Voodoo-Puppe von bet-at-home erhitzte Gemüter

"Ein großer Aufreger" war laut Straberger heuer auch die Kampagne von bet-at-home anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2012. Zur Werbung des Online-Sportwettenanbieters, der bereits in den Vorjahren polarisierte, kamen heuer die meisten Beschwerden - nämlich 95 von insgesamt 260 bis 8. August.

Der Werberat rief bet-at-home zur Sensibilisierung auf: Das Sujet einer Voodoo-Puppe im deutschen Dress spiele durchaus mit einem Augenzwinkern mit der sportlichen Rivalität. Dennoch werde suggeriert, dass für die Niederlage des sportlichen Erzrivalen auch dessen körperliche Schmerzen nicht nur in Kauf genommen würden, sondern sogar gewünscht wären, entschied die Selbstkontrollstelle.

Irreführung und Täuschung wurde von Konsumenten bei der Aufklärungskampagne der Agrana zu Wiener Zucker zum Süßstoff Stevia beanstandet. Hier sah der Werberat allerdings keinen Grund zum Einschreiten.

Reagiert wird nur, wenn Beschwerden von Konsumenten eingehen - und das soll sich auch nicht ändern. "Nach dem Prinzip der Selbstregulierung wollen wir nicht wie eine Behörde agieren, die selbst aktiv wird", so Straberger. Zudem hätten einige der 160 Werberäte auch schon selbst als Privatperson Beschwerden initiiert. "So rutschen zu beanstandende Kampagnen kaum durch."

Der Werberat will künftig Unternehmen stärker über die Spielregeln der Werbewirtschaft informieren. Dazu soll ab Herbst eine kostenlose Informationsbroschüre für Unternehmen erscheinen, die beim Werberat bestellt werden kann. Auch auf der Webseite kann der Selbstbeschränkungskodex nachgelesen werden.

Zudem sieht Straberger "einen Bedarf, dass sich Unternehmen, die sich mit dem Selbstbeschränkungskodex auseinandergesetzt haben, auch dazu deklarieren können". Wie diese Auszeichnung konkret aussehen wird, wird derzeit noch ausgearbeitet.