Wien. Während normalerweise um Millionen gerungen wird, spült die Frequenzauktion mit einem Schlag zwei Milliarden Euro in die Kasse der Republik. Das ist zwar gut für die neue Regierung, könnte sich aber negativ auf Mobilfunk-Kunden und Mitarbeiter auswirken. Weil der Erlös fast viermal so hoch liegt wie das Mindestgebot, wollen die Bieter A1, T-Mobile und Hutchison 3G ("3") ihre Ausgaben hereinholen. Das könnte Handypakete verteuern und den Netzausbau verzögern.

In Österreich sind Handytarife günstig, was die Erträge der Mobilfunker seit Jahren schmälert. Während hierzulande ein annehmbares Tarifpaket weniger als 20 Euro kostet, zahlen deutsche Kunden ein Vielfaches. Seit 2006 sind hierzulande die Kosten für Kommunikation laut RTR um 40 Prozent gesunken, wobei zuletzt die Preise mit neuen Paketen und Tarifen leicht gestiegen sind. Zudem sorgt Roaming für einen beträchtlichen Teil der Einnahmen - dieser Posten könnte aber in absehbarer Zeit wegfallen, denn die EU will die Gebühren fürs Telefonieren im Ausland abschaffen. Die Mobilfunker haben bereits gewarnt, dass Inlandstarife steigen, wenn Kunden im europäischen Ausland zu denselben Preisen wie zuhause telefonieren können.

Österreich ist bei Ausbau von schnellem Internet hinten


Nun verschärft sich der Kostendruck in den Unternehmen, weil nicht mit so hohen Kosten für die Frequenzen gerechnet wurde. Die Auktion könnte "ein Wendepunkt" in der Preisgestaltung sein, sagt T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth. Es sei paradox, dass in dem Land mit den niedrigsten Mobilfunk-Preisen die Lizenzen am teuersten seien. "Das wird sich auch auf die Kunden auswirken", sagt er und stellt einen Mitarbeiterabbau in den Raum. "3"-Chef Jan Trionow sagt: "Die Aussage: ,Der Konsument zahlt die Zeche‘ ist im Prinzip richtig."

Für die Arbeiterkammer sind hingegen Preiserhöhungen kaum mit Frequenzkosten zu rechtfertigen. Die RTR hat die Kosten der Frequenzversteigerung auf die Laufzeit der Lizenz mit 40 bis 80 Cent pro Mobilfunkkunde und Monat berechnet. "Ursache ist wohl eher die Reduktion des Wettbewerbs am heimischen Mobilfunkmarkt auf nur mehr drei Anbieter", meinen die Konsumentenschützer mit Verweis auf die Übernahme von Orange durch "3" zu Jahresbeginn.

Letztlich entscheidet aber der Wettbewerb darüber, ob es zu höheren Tarifen oder langsameren Netzausbau kommt - denn sobald ein Anbieter beispielsweise beim Netzausbau vorprescht, müsse die Konkurrenz nachziehen, sagt T-Mobile-Sprecher Helmut Spudich. Beim Ausbau von LTE, der nach UMTS vierten Generation von mobilem Internet, zähle Österreich derzeit zu den Schlusslichtern in Europa. Derzeit arbeiten alle Mobilfunker am Ausbau des LTE-Netzes, mit dem Kunden deutlich schneller via Handy und Tablet-PC im Internet surfen und Online-Videos ansehen können. Erst in drei bis vier Jahren wird man auf einem Großteil der neuen Handys im LTE-Netz surfen können, für das schnellere Internet müssen Kunden außerdem einen Aufschlag von derzeit rund zehn Euro pro Monat zahlen.

Wie kam es zur Preisexplosion?


Die Mobilfunkanbieter haben bei der Versteigerung der Lizenzen im Bereich 800 MHz, 900 MHz und 1800 MHz ihre Geschäftsbasis bis 2029 beziehungsweise 2034 gesichert. Frequenzen sind ein beschränktes öffentliches Gut, das für die Mobilfunkbetreiber eine Schlüsselinvestition in ihr Netz darstellt. Insgesamt wurde knapp die Hälfte der in Österreich verfügbaren Mobilfunkfrequenzen versteigert.

Der Bieterwettkampf führte dazu, dass die Mobilfunker in ihren Augen nun zu viel zahlen. Warum wurde es aber viel teurer als erwartet? Technisch sei die Auktion einwandfrei abgelaufen, sagt RTR-Geschäftsführer Georg Serentschy. Auf die komplexe Auktion, in der sechs Wochen lang in 72 Runden tausende Gebote via Internet abgegeben wurden, hatten sich die Teilnehmer sechs Monate lang vorbereitet.

Zum Einsatz kam das Format der Kombinatorischen Clock-Auktion, die bei vergleichbaren Versteigerungen internationaler Standard ist und in Österreich erstmals bei der Auktion der 2,6-GHz-Frequenzen 2010 angewandt wurde. Damit wollte die RTR ein Chaos wie in Tschechien vermeiden. Dort wurde die Frequenzauktion heuer im März bei Gesamtgeboten von umgerechnet 774 Millionen Euro abgebrochen, weil höhere Gebote wirtschaftlich nicht mehr rentabel waren. Im Gegensatz zu Österreich waren diese Gebote aber nicht verbindlich.

In Österreich erhielt jeder Bieter in der ersten Phase eine Preisliste für alle Frequenzkategorien. Die Bieter gaben bekannt, wie viele Frequenzblöcke pro Kategorie sie zu diesen Preisen möchten. Der Preis wurde mit jeder Runde um bis zu fünf Prozent erhöht, solange die Nachfrage in einer Kategorie größer als Angebot war.

In der zweiten Phase konnte jeder Bieter seine Gebote der ersten Bietphase erhöhen und zusätzliche Gebote für Kombinationen von Frequenzblöcken abgeben. Aus allen in der zweiten, verdeckten Bietphase, abgegebenen Geboten wurde jene Kombination ermittelt, die am meisten Erlös einbringt. Zahlen müssen die Bieter hingegen nur jenen Preis, der gerade notwendig ist, um Mitbieter zu übertrumpfen (ähnlich bei der Online-Auktionsplattform Ebay). In der dritten Phase wurden die genauen Positionen im Frequenzband zugeordnet, wofür abermals verdeckt geboten werden konnte.