Schummeln durch Bild-Nachbearbeitung: Vor allem Mode- und Kosmetikmarken verwenden für Werbesujets Computerprogramme, die einen makellosen Teint und straffe Haut zaubern. - © fotolia/fotorince
Schummeln durch Bild-Nachbearbeitung: Vor allem Mode- und Kosmetikmarken verwenden für Werbesujets Computerprogramme, die einen makellosen Teint und straffe Haut zaubern. - © fotolia/fotorince

Wien. Faltenfreies Gesicht, ebenmäßiger Teint und keine Fettpölsterchen: Für das makellose Aussehen von Models auf Werbesujets ist meist der Computer verantwortlich. Mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen lassen sich mit wenigen Mausklicks eine schlanke Taille und straffe Schenkel zaubern. Weil - vor allem junge - Menschen dem künstlichen Schönheitsideal oft krankhaft nacheifern, setzt sich Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ebenso wie die Frauensprecherinnen von SPÖ und Grüne seit Jahren für ein Bildbearbeitungsgesetz ein.

Ein kleiner Punkt am Rande des Werbefotos soll zeigen, wie sehr das Bild bearbeitet wurde, so die Forderung. Grün steht für leichte Farbaufhellung, Gelb für die Entfernung von Falten oder Straffungen. Ein roter Punkt soll zeigen, dass ganze Körperpartien in der Nachbearbeitung verändert oder ersetzt wurden.

Unrealistisches Körperbild

Die Werbewirtschaft spricht sich hingegen für eine Selbstregulierung und gegen eine Ampel-Kennzeichnung aus. "Retusche ist ein wichtiges Instrument der Werbewirtschaft, aber wenn das Instrument für Beauty-Retusche missbraucht wird, ist das nicht vertretbar", sagt Andrea Stoidl, Geschäftsführerin des Österreichischen Werberates (ÖWR). In Abstimmung mit Heinisch-Hosek informiert der Werberat auf www.retuschebarometer.at über Bildbearbeitung und will so für das Thema sensibilisieren. Unterschieden wird dabei zwischen herkömmlicher Werbe-Retusche und Beauty-Retusche, die rein auf die Darstellung eines Mainstream-Schönheitsideals abzielt. "Ungesunder Schlankheitswahn, unrealistische Schönheitsideale und gefährliche Nachahmungsgefahr beunruhigen verantwortungsbewusste Werbetreiber und gefährden Konsumenten", heißt es auf der Internetplattform.

Auf der Retusche-Barometer-Seite können Nutzer zudem selbst anhand von Beispielen eingeben, ob die Bearbeitung eines Werbesujets als bedenklich oder unbedenklich einzustufen ist und das Ergebnis mit der Einschätzung der Werberäte, einem Gremium aus 160 Experten verschiedenster Bereiche, vergleichen. Auch Lehrunterlagen stehen zur Verfügung.

Nackte Haut bleibt Aufreger

Das Bewusstsein für gefährliche Schönheitsideale steigt offenbar: Unter anderem hat ein Beschwerdeführer beim Werberat ein zu dünnes Model zur Bewerbung des neuen Herbstkataloges von Hugo Boss beanstandet. Mit der Kritik konfrontiert, zog die Modemarke das Sujet zurück. Wegen sexistischer Werbung forderte der Werberat im Vorjahr zehn Unternehmen zum Stopp ihrer Werbekampagne auf. Dazu gehörte beispielsweise ein Kabel-TV-Anbieter, der auf einer Printanzeige und im Internet mit einem nackten Frauenkörper ohne Bezug zum beworbenen Produkt warb.