Arbeiten mit Kleinkind: Betti Brachmann (l.) und Kata Klementz wollen dazu beitragen, dass junge Eltern den Spagat zwischen Familie und Beruf leichter schaffen. - © @ SightIndustries
Arbeiten mit Kleinkind: Betti Brachmann (l.) und Kata Klementz wollen dazu beitragen, dass junge Eltern den Spagat zwischen Familie und Beruf leichter schaffen. - © @ SightIndustries

Wien. Selbständig von zu Hause arbeiten zu können, hört sich für viele traumhaft an: freie Zeiteinteilung, kein Chef und vor allem Ruhe. Die Kehrseite der Medaille: Nicht jeder schafft es, sich in der häuslichen Umgebung voll auf die Arbeit zu konzentrieren. Und nicht jeder liebt die Einsamkeit. Eine Lösung bietet Coworking. "In einer Gemeinschaft zu arbeiten, anstatt isoliert zu Hause zu sitzen, bedeutet für den Einzelnen nicht nur neue Bekanntschaften, sondern vor allem auch neue Motivation", weiß Betti Brachmann, die gemeinsam mit ihrer Freundin Kata Klementz seit drei Jahren in der Schottenfeldgasse im 7. Wiener Gemeindebezirk das Coworking-Büro Loffice betreibt.

Konzentriert arbeiten hinter Lärmschutzwänden

Motivation ist etwas, das vor allem Selbständige, die Eltern werden, dringend brauchen. Einerseits möchten sie in den aufregenden und prägenden ersten Jahren so viel Zeit wie möglich mit den Kleinen verbringen, andererseits im Beruf nicht den Anschluss verlieren. Dazu ist es notwendig, die Kinder gut aufgehoben zu wissen. Im Herbst startet Loffice daher das Projekt "CoworKid", das Arbeitsstationen für die "Großen" mit einer Kleinkindergruppe (von einem halben bis dreieinhalb Jahre) kombiniert. Auf 260 Quadratmetern Loftfläche, die von jungen Künstlern ausgestaltet wurden, können Eltern 14 bis 20 Arbeitsplätze mieten und konzentriert und mit Gleichgesinnten arbeiten, während sich der Nachwuchs nebenan - durch Lärmschutzwände getrennt - austobt. 14 bis 28 Kinder werden aufgenommen, ein Betreuungsplatz kostet 285 Euro, die Arbeitsstation 290 Euro im Monat.

Montessori und
Stillecke

Angeboten werden zweisprachige und ganztägige Betreuung nach Montessori-Pädagogik sowie selbstgekochtes Mittagessen aus Lebensmitteln aus biologischer Landwirtschaft. Weiters gibt es eine kleine Terrasse sowie eine Stillecke, und auf den Spielplätzen und in den Parks in der näheren Umgebung können die Kleinen ihrem Bewegungsdrang auch draußen nachgeben. Die Entstehung einer Community, in der sich karriereorientierte Eltern gegenseitig unterstützen, ist erwünscht, daher wird es auch regelmäßig Networking-Events geben, kündigt Betti Brachmann an.

Neben der Vernetzung, die gerade bei Selbständigen existenziell wichtig ist, bietet CoworKid noch einen weiteren Vorteil: "Die Eltern ersparen sich monatlich mindestens 14 Stunden Wegzeit, wenn sie die Kinder zur Arbeit mitnehmen", so die gebürtige Ungarin und Mutter einer 20 Monate alten Tochter.

Loffice (die Kurzform von "Loft-Office") wurde im Jahr 2009 von den Unternehmerinnen Kata Klementz und ihrer Schwester Anna gegründet. Als Inspiration diente ihnen der ungebundene Arbeitsstil der Google-Programmierer in San Francisco.

Mittlerweile gibt es vier Loffice-Büros in Budapest und seit 2011 auch eines in Wien. Die zwei Lofts befinden sich in einer ehemaligen Schuhfabrik im Herzen des 7. Bezirks. Dort werden an Selbständige, Freiberufler und kleinere Start-ups stylische Einzelarbeitsplätze, Büro- oder Seminarräume vermietet. Loffice steht auch für Veranstaltungen aller Art als Eventlocation zur Verfügung.