Wien. Ab heuer soll es keine bösen Überraschungen mehr geben. Das hat Andreas Treichl den Aktionären der Erste Group am Freitag zugesichert. Obwohl sich erneut ein schwieriges Jahr abzeichne, rechnet der Langzeit-Chef der heimischen Großbank für 2015 mit der Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Dass die Erste wieder Gewinne einfährt, soll aus seiner Sicht auch in den beiden Folgejahren so bleiben.

2014 bescherte der Bank jedenfalls eine Horrorbilanz. Unter dem Strich fiel ein Minus von 1,44 Milliarden Euro an, der erste Milliardenverlust in der Geschichte des börsenotierten Wiener Finanzkonzerns und der zweite Verlust nach 2011. Grund für die blutroten Zahlen waren massive Abschreibungen bei der rumänischen Problemtochter, aber auch hohe Sonderkosten durch staatliche Zwangsmaßnahmen bei Fremdwährungskrediten in Ungarn.

Der Rekordverlust fraß im Konzern auch einen Teil des Eigenkapitals weg. Per Ende 2014 lag die harte Kernkapitalquote mit 10,6 Prozent um 0,2 Punkte unter dem Wert vom Jahr davor - in absoluten Zahlen ein Rückgang um rund 600 Millionen Euro auf 10,6 Milliarden. Treichl sieht die Bank damit aber weiterhin ausreichend kapitalisiert. Und deshalb gebe es derzeit auch keinen Anlass für eine Kapitalerhöhung.

Langjährige Sorgenkinder


Die Tochterbanken in Ungarn und Rumänien sind für die Erste schon seit Jahren Sorgenkinder. In Ungarn lag der Verlust 2014 bei 331 Millionen Euro, in Rumänien sogar bei 614 Millionen. Abgesehen von Serbien, wo die Erste ebenfalls ein Minus verbuchte (in kleinem Umfang), waren die übrigen Märkte in Osteuropa - Tschechien, Slowakei und Kroatien - aber positiv. Wobei sich Tschechien mit einem Ergebnis von 506 Millionen Euro einmal mehr als größter Gewinnbringer erwies.

2014 ist für die Erste nun abgehakt. Ab heuer will der heimische Finanzriese seine Probleme in Osteuropa hinter sich lassen. Im laufenden Geschäftsjahr will er wieder auf einen Wachstumskurs einschwenken.

Die Banktöchter in Ungarn und Rumänien sieht Treichl auf dem Weg der Besserung. In Rumänien, wo im Vorjahr der Abbau des Bestands an notleidenden Krediten besonders forciert wurde, erwartet der Erste-Chef bereits für heuer wieder Gewinne, in Ungarn für das kommende Jahr - dort unter anderem auch deshalb, weil der Staat im Gegenzug für eine Beteiligung von bis zu 15 Prozent an der ungarischen Tochter zugesagt hatte, die überproportional hohen Bankensteuern zu senken.

Was Treichl daneben ebenfalls zuversichtlich stimmt, ist das anziehende Wirtschaftswachstum in einigen Ländern Osteuropas. Vor diesem Hintergrund hofft der Erste-Banker, zukünftig wieder mehr Kredite vergeben zu können. Konkret rechnet er für 2015 mit einem Kreditwachstum in niedriger einstelliger Prozent-Höhe.

Befreiungsschlag


Treichl geht für heuer aber auch von deutlich sinkenden Risikovorsorgen für faule Kredite aus. Im Vorjahr waren diese massiv angestiegen - um ein Fünftel auf 2,16 Milliarden Euro. Um sich von Ballast zu befreien, hat die Erste zuletzt größere Pakete an notleidenden Krediten (vor allem in Rumänien) verkauft. Das Gesamtvolumen belief sich 2014 auf 1,1 Milliarden Euro. Damit sank der Anteil der Problemkredite am gesamten Kreditbestand des Konzerns von 9,6 auf 8,5 Prozent. In Rumänien und Ungarn war zuletzt aber noch jeder vierte vergebene Kredit notleidend. Insgesamt hatte der Erste-Konzern zum Ultimo 2014 faule Kredite im Volumen von knapp elf Milliarden Euro in seinen Büchern.

Beim Betriebsergebnis rechnet Treichl für das heurige Jahr mit einem Rückgang im mittleren einstelligen Prozent-Bereich - nicht nur wegen der tiefen Zinsen, mit denen derzeit alle Kreditinstitute zu kämpfen haben, sondern auch wegen geringerer Einnahmen in den Problemländern Ungarn und Rumänien. Im vergangenen Jahr stagnierte der Betriebsgewinn bei 3,09 Milliarden Euro.

Kein Offert für Polbank


Im Gegensatz zur Raiffeisen Bank International (RBI) hat die Erste Group nicht vor, sich aus Teilen Osteuropas zurückzuziehen. "Wir werden uns sehr bemühen, in den nächsten Jahren in einem nicht sehr wachsenden Markt unseren Konkurrenten Marktanteile wegzunehmen", so Treichl. Akquisitionen sind dabei vorerst aber nicht geplant, wachsen will das Institut aus eigener Kraft. Damit ist für Treichl auch ein Übernahmeangebot für die bald zum Verkauf stehende polnische RBI-Tochter Polbank kein Thema.