Wien.Die Delegation bahnt sich durch Gangreihen von Festplatten mit Schaltflächen und Touchscreens. "Sehr vereinfacht gesagt sehen wir hier Computer, mit denen man auch telefonieren kann. In Kontrollzentren müssen sie ganz besonders benutzerfreundlich sein, weil sie in Notsituationen schnell zu bedienen sein müssen. Dabei müssen wir bedenken, dass in verschiedenen Ländern verschiedene Farben für unterschiedliche Signale stehen. Unsere Touchscreens sehen daher in jedem Land etwas anders aus", erklärt Brigitte Gschiegl, Sprecherin des Wiener Hightech Unternehmen Frequentis, welches eine Delegation um Technologieminister Gerald Klug am Donnerstag besuchte.

Die international tätige Firmengruppe der Frequentis AG ist ein weltweiter Anbieter von Kommunikations- und Informationssystemen für Leitzentralen mit sicherheitskritischen Aufgaben im öffentlichen und privaten Bereich. Auf dem Gebiet der Flugsicherung ist das Unternehmen Weltmarktführer. Frequentis wurde 1947 in Wien gegründet. Die Ingenieure der Firma erzeugten damals technische Produkte, die im Zuge des Wiederaufbaus notwendig waren - Funkanlagen für Elektrizitätswerke, Zolldienste, Gendarmerie und die Feuerwehr. 1955 folgte der erste Flugsicherungs-Auftrag für den Flughafen Wien-Schwechat. Aus dem ehemaligen Kleinbetrieb wurde ein Vorzeigeunternehmen mit weltweit rund 1500 Mitarbeiter.

"Wir haben die Welt in Europa und alle anderen Kontinente aufgeteilt, damit sich alle unsere Kunden auf dieser Wand ausgehen", erklärt Vorstandsvorsitzender Hannes Bardach und zeigt auf eine Landkarte voller bunter Fähnchen, die für die Geschäftsbereiche stehen: Flugverkehrsmanagement, Aeronautik, Verteidigung, öffentliche Sicherheit, öffentlicher Verkehr und die Meere. Frequentis hat eine Forschungsquote von zwölf Prozent seines Umsatzes von rund 214 Millionen Euro (2014) und exportiert 95 Prozent seiner Erzeugnisse. Das Unternehmen hat Standards für volldigitale Sprachvermittlungssysteme in der Flugsicherung gesetzt, ist einer von 15 Partnern im Sesar-Programm zur Harmonisierung des Flugverkehr-Managements und sein Kontrollsystem "hat die Österreichische Bundesbahn zur pünktlichsten innerhalb der EU gemacht", wie ein Mitglied des Managements am Rande der Führung hervorhebt.

Orchestrierter Mobilfunk


Für ein Mobilfunknetz für die Sicherheitskräfte beim G7-Gipfel in Bayern im Sommer 2015 wurde die Wiener Hightech-Schmiede mit dem "International Critical Communications Award 2016" ausgezeichnet. Robert Nitsch, Direktor für Public Safety, bezeichnet den Preis als "Dirigentenstab" im Kommunikations-Orchester von Großveranstaltungen. Beim G7-Gipfel funkten und telefonierten 30.000 mobile Geräte, das sind mehr als bei den Olympischen Spielen in London 2012.

Dass sein Unternehmen so weit kommen konnte, sei auch auf öffentliche Förderungen zurückzuführen, betonte Bardach. Die Forschungsförderungsgesellschaft habe es allein von 2013 bis 2015 mit elf Millionen Euro unterstützt, erklärte dazu Klug. Der neue Verkehrsminister will in den kommenden fünf Jahren 25 Milliarden Euro in die strategischen Netze des Landes investieren - also Schiene, Straße, das Breitbandinternet und die dazugehörende Forschung und Entwicklung.