Wien. Die Bank für Gemeinwohl-Genossenschaft (BfG) ist in ihrem Bestreben, eine Banklizenz zu beantragen, um ein einfaches Girokonto anbieten zu können, auf halbem Weg. "Wir haben innerhalb eines Jahres rund drei Millionen Euro eingesammelt, das ist ein toller Erfolg", sagt BfG-Christine Tschütscher. Weitere drei Millionen fehlen noch, um den Banklizensierungsprozess zu starten.

Hinter dem Projekt einer ethischen Alternativbank steht eine zivilgesellschaftliche Initiative, für die unter anderem Unternehmerinnen und Unternehmern wie Schuhfabrikant Heini Staudinger, Chocolatier Josef Zotter und Modedesignerin Lisa Muhr ("Göttin des Glücks") ihren Namen hergeben. Unterstützer ist auch Ex-Skispringer Toni Innauer. Er kritisiert, dass sich in der Bankenwelt viele Mitspieler und Institutionen "weit von ihrer ursprünglichen Aufgabe und vom gesunden Menschenverstand" entfernt hätten. Die aktuelle Generation sei zu sehr geprägt "von der unrühmlichen Gier nach Kapitalvermehrung durch akrobatische Spekulationen". Die neue Bank will sich auf das ursprüngliche Geschäft einer Bank - Sparen, Kredite und Zahlungsverkehr - besinnen. Geplant sind auch Gratiskonten für sozial benachteiligte Haushalte.

Zuerst nur Girokonto


Als Zwischenschritt wird nun die Gründung eines Zahlungsinstitutes mit einfachem Girokonto vorbereitet, worüber die Genossenschafter Anfang Oktober abstimmen. Auch Großinvestoren sind erwünscht, allerdings kann man bei der Gemeinwohlbank laut Satzung mit maximal 100.000 Euro einsteigen. Das hat soeben die deutsche GLS-Genossenschaftsbank getan, bislang der größte Geldgeber der BfG. Die GLS Bank, hat derzeit 44.000 Mitglieder und rund 200.000 Kunden.

Christine Tschütscher sieht vorläufig keinen Anlass zu einer Anhebung des Limits. "Die Gemeinwohlbank ist ein Projekt aus der Mitte der Gesellschaft. Mit 200 Euro kann jeder mitgründen." Tschütscher selbst hat bei Banken und bei Start-ups gearbeitet, vor ihrem Engagement bei der BfG war sie Geschäftsführerin einer großen NGO.

Sie räumt ein, dass die Kapitalsammlung langsamer geht als geplant. "Der Weg der Bankwerdung ist herausfordernd, und wie bei vielen Projekten läuft es nicht immer linear", so Tschütscher. Im September wird es einen Relaunch der Kampagne, mit der Menschen zum Zeichnen von Genossenschaftsanteilen eingeladen werden, geben.

Die formalrechtlichen Schritte sind genau durchgeplant. Nach Gesprächen mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) und dem Österreichischen Genossenschaftsverband (ÖGV) wurde im Jänner 2015 eine mehrstufige Kampagne gestartet, deren Ziel es ist, mit bis zu 40.000 Genossenschaftern 15 Millionen Euro Eigenkapital zu generieren. Von diesen werden 10,9 Millionen Euro in die Bank eingebracht, um die gesetzlichen Eigenkapitalbestimmungen in der Kreditvergabe zu erfüllen sowie die Anlaufverluste zu tragen. Die restlichen 4,1 Millionen Euro dienen als Reserve beziehungsweise zum Aufbau der Bank sowie der genossenschaftlichen Aktivitäten.

Auf Sicherheit setzen


"Die neue Ethikbank wird klein starten, auf Sicherheit setzen und wird überlegt und maßvoll wachsen", heißt es auf der Homepage. Finanziert werden ausschließlich gemeinwohlorientierte Projekte. An die künftigen Kunden wird die Einladung gerichtet, auf Zinsen zu verzichten, damit die Kosten für das Institut niedrig gehalten werden können.

Hierzulande konnte man bisher bereits unter anderem bei der österreichischen Niederlassung der deutschen, kirchlich orientierten Steyler Ethikbank und dem traditionsreichen Bankhaus Schelhammer & Schattera ethisch und nachhaltig veranlagen.