Wien/Linz. Vor mehr als fünf Jahren hat die Voestalpine die USA zu einem ihrer Wachstumsmärkte erklärt. Seither hat der börsennotierte Linzer Stahltechnologiekonzern dort mehrere Werke auf die grüne Wiese gestellt und sich diese Expansion insgesamt 1,4 Milliarden Dollar kosten lassen, wobei der größte Investitionsbrocken mit einer Milliarde auf eine hochmoderne Produktionsstätte im texanischen Corpus Christi entfiel. Inzwischen hat das Unternehmen in den Vereinigten Staaten bereits 49 Standorte und ist Arbeitgeber für rund 3000 Menschen. Dank des brummenden Konjunkturmotors schnurrten zuletzt auch die Geschäfte. Doch nun setzt es hier mit den von US-Präsident Donald Trump verfügten Strafzöllen von 25 Prozent auf Stahlimporte einen nicht unerheblichen Dämpfer.

Zwar generiert die Voestalpine etwa zwei Drittel ihrer US-Umsätze von rund 1,2 Milliarden Euro (2017) als lokaler Erzeuger in den USA. Mit dem Großteil ihrer Aktivitäten sieht sie sich deshalb von Trumps protektionistischen Maßnahmen "nicht direkt berührt". Bis zu ein Drittel der US-Umsätze dürfte von den Importrestriktionen aber sehr wohl betroffen sein, wie aus einem schriftlichen Statement des Unternehmens hervorgeht. Rein rechnerisch geht es also um bis zu 400 Millionen Euro Umsatz, wobei die genaue Höhe noch zu klären ist.

"Risiko überschaubar"

Bezogen auf den Konzernumsatz wären laut Voestalpine "maximal drei Prozent" von den US-Zöllen betroffen. "Damit bleibt das wirtschaftliche Risiko selbst im Extremfall sehr überschaubar", betont das Unternehmen.

Weh tut der potenzielle ökonomische Schaden dennoch. Die folgende Erklärung von Firmenchef Wolfgang Eder kommt daher nicht überraschend: "Die Vorgangsweise der US-Administration veranlasst uns dazu, alle geplanten weiteren Investitionen in Nordamerika einer kritischen Überprüfung in Bezug auf ihre wirtschaftliche und politische Sinnhaftigkeit zu unterziehen."

Inwieweit sich Trumps Restriktionen auf das Konzernergebnis auswirken, ist noch unklar. Ebenfalls unklar ist, welche Folgen die Maßnahmen für die Arbeitsplätze im Unternehmen haben. Klar ist vorerst nur, dass wohl etliche Jobs - möglicherweise auch in den USA selbst - akut gefährdet sind. Derzeit hat die Voestalpine weltweit rund 50.000 Mitarbeiter.

Indes lebt im Konzern noch die Hoffnung auf Ausnahmen von den Einfuhrzöllen. Zumal eine Reihe von Punkten in der "Presidential Proclamation" einer weiteren Präzisierung bedürfe, wird erklärt. Und das könnte dann bisher noch nicht näher definierte Ausnahmeregelungen zur Folge haben. Für die Klärung aller Fragen rechnet die Voestalpine mit "einigen Wochen". Ihre Anliegen vertritt eine von ihr bereits vor einem Jahr eingerichtete "Taskforce USA". Deren Team besteht aus elf Mitarbeitern, die von US-Rechtsanwaltskanzleien und US-Partnerunternehmen, aber auch von politischen Entscheidungsträgern vor Ort unterstützt werden.

Ausnahmen hält die Voestalpine vor allem deshalb für möglich, weil es sich bei den möglicherweise von den Importzöllen betroffenen Produkten um "überwiegend in Nordamerika nicht oder kaum verfügbare Hightech-Stähle" handelt, "aus denen in den USA anspruchsvolle Halbfertig- oder Fertigprodukte erzeugt werden".

Nahtlosrohre und Stahlband

Dazu zählen Nahtlosrohre für das Aufsuchen von Öl- und Gas, die im steirischen Kindberg gefertigt und von einer US-Partnerfirma final veredelt werden (siehe obenstehendes Bild), aber auch Werkzeugstähle, Komponenten für Gasturbinen und für die Raumfahrtindustrie sowie Stahlband, das in den USA zu höchstfesten Karosserieleichtbauteilen und Komponenten für Premium-Autos weiterverarbeitet wird. "Das Vormaterial für diese hochspezialisierten Produkte steht in den USA in dieser Qualität anderweitig nicht zur Verfügung", betont der Konzern.

An der Börse hat der Voestalpine-Aktienkurs zuletzt stark gelitten. Hatte der Stahltitel noch im Jänner bei 54,98 Euro sein Jahreshoch, ging es danach sukzessive bergab - um bis zu rund 20 Prozent. Am Freitag notierte die Aktie zum Handelsschluss mit 44,80 Euro 1,5 Prozent schwächer.

Neben der Voestalpine ist mit dem Alu-Hersteller Amag ein weiterer österreichischer Großbetrieb von den US-Strafzöllen betroffen. Bei Aluminium betragen diese 10 Prozent. Die Amag teilte am Freitag mit, dass sie daraus für heuer einen "negativen Ergebniseffekt im mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich" erwartet.