Der Bund und das Land Niederösterreich verpflichten sich zur Fortsetzung der langfristigen Finanzierung des Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg bei Wien. Bis zu 3,28 Milliarden Euro - davon drei Viertel vom Bund und ein Viertel vom Land - soll die Forschungseinrichtung für Naturwissenschaften und Informatik von 2026 bis 2036 erhalten, nachdem die jetzige Finanzierungsperiode ausgelaufen sein wird. Das gaben Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und Landeschefin Johanna Mikl-Leitner Mittwoch vor Journalisten bekannt.

Mit dem Geld will IST-Präsident Thomas Henzinger den Aufbau des 2006 gegründeten, postgradualen Instituts fortsetzen. Es soll von derzeit rund 60 auf dann 150 Forschungsgruppen ausgebaut werden. "Österreich wird in 15 Jahren als eines der wenigen kleinen Länder ein Spitzenforschungsinstitut der absoluten Weltklasse haben", definierte Henzinger seine Ziele. Die Qualität von an das IST berufenen Wissenschaftern sei wichtiger als ihr Fachgebiet. Man werde sich aber bei Berufungen weiter auf Naturwissenschaften und Informatik konzentrieren. "Wir haben noch keine kritische Größe erreicht, um dauerhaft an der Weltspitze zu bleiben", sagte Henzinger.

Das IST Austria wurde am 2. Juni 2009 eröffnet mit ebendiesem Ziel. "Heute sind an der Einrichtung für Grundlagenforschung 850 Personen aus 76 Ländern tätig", fasste Mikl-Leiter die Fortschritte zusammen. Die Gruppen sind in den Bereichen Mathematik, Informatik, Physik, Chemie, Neurowissenschaften und Biologie tätig. Mit einer Bewilligungsquote von 50 Prozent bei den begehrten ERC-Grants des Europäischen Forschungsrats, die rein nach Qualitätskriterien vergeben werden, liege das IST vor den britischen Spitzen-Universitäten Oxford und Cambridge. "All diese Fakten zeigen, dass das IST den Kinderschuhen entwachsen ist und an Gewicht gewonnen hat, weswegen wir einen Betrag dieser Höhe in die Hand nehmen", sagte Mikl-Leitner, die diesen "Turbo für die Grundlagenforschung" nannte.

Das IST ist die einzige heimische Forschungseinrichtung, die eine derart langfristige Förderung genießt. Die Universitäten etwa müssen alle drei Jahre Leistungsvereinbarungen mit dem Bund abschließen. Auch der Wissenschaftsfonds FWF, Österreichs größte Agentur zur Förderung der Grundlagenforschung an den Hochschulen, erhält kürzere finanzielle Perspektiven. Um überhaupt aufgebaut werden zu können, wurde dem IST, das auf die grüne Wiese gestellt wurde, von Anfang an Planungssicherheit gewährleistet.

Minister Faßmann und Landeshauptfrau Mikl-Leitner haben am Mittwoch die entsprechende 15a-Vereinbarung unterzeichnet, die an die derzeitige, bis 2026 laufenden Vereinbarung anschließen soll. Demnach wird der Bund in diesen zehn Jahren bis zu 2,46 Milliarden. Euro bereitstellen, wobei ein Drittel dieser Summe von der Einwerbung von Drittmitteln abhängig ist. Das Land Niederösterreich, das bisher primär die Bautätigkeiten und die Erhaltung finanziert hat, steuert künftig 820 Millionen Euro zum Budget bei.

Personalentscheidung 2022

Er habe den Wunsch des IST Austria nach einer langfristigen Finanzierungszusage verstanden, man müsse "im Wettbewerb um die besten Köpfe bei Berufungsverhandlungen die richtige Antwort haben", sagte Faßmann. Grundlage der Entscheidung sei die Beurteilung der Performance des IST gewesen. Eine Evaluierung habe das eindeutige Ergebnis gebracht, dass sich das 2009 eröffnete Institut "prächtig entwickelt hat".

Der seit Eröffnung des Instituts amtierende Präsident hat angekündigt, 2023 aus dem Amt ausscheiden zu wollen, die Nachfolgesuche läuft. Es gebe zahlreiche Bewerber, man werde aber auch aktiv auf Personen zugehen, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums, Claus Raidl. Ein Suchkomitee unter der Leitung von Kuratoriums-Mitglied Iain Mattaj sei für die Nachfolgesuche zuständig, die Entscheidung solle im ersten Halbjahr 2022 fallen.(est)