Die Menschen für die Wissenschaften zu begeistern, indem sie sie erlebbar macht, ist das erklärte Ziel der "Langen Nacht der Forschung". Das Konzept dürfte aufgehen, denn immerhin ist das Großereignis in den vergangenen 20 Jahren mit mittlerweile fast einer Viertelmillion Besuchern zum Publikumsmagneten geworden. Am 20. Mai laden Universitäten, Fachhochschulen, Museen, außeruniversitäre Wissenschaftsinstitute und forschende Unternehmen wieder in ihre Häuser ein.

Nachdem der alle zwei Jahre in ganz Österreich stattfindende Event beim letzten Mal in den ersten Pandemie-Lockdown geriet und daher nur virtuell vom Sofa aus erlebt werden konnte, geht die "Lange Nacht" heuer wieder an 280 Standorten mit 2.500 Stationen über die Bühne. Wissenschafter erklären, was sie entdecken und tun, große und kleine Kinder können bei Experimenten mitmachen und dabei spielerisch ein Verständnis für Forschungsfragen entwickeln, Exponate und Labor-Versuche lassen sich aus erster Hand erleben.

Was tun mit neuem Wissen?

Da die "Lange Nacht" auf die Zeit von 17.00 bis 23.00 Uhr begrenzt ist, kann niemand alles dort erleben. Die "Wiener Zeitung" hat eine Auswahl an Programmpunkten zusammengestellt. Unter dem Titel "Forschung erleben" veranstaltet etwa das Wissenschaftsministerium auf dem Maria-Theresien-Platz zwischen Kunst- und Naturhistorischem Museum in Wien ein Programm unter freiem Himmel für die ganze Familie. Archäologen erklären, wie frühere Kulturen mit gesellschaftlichen Krisen umgingen, Virologen beschreiben die Herausforderungen der Impfstoffentwicklung, Wirtschaftsforscher erläutern Mechanismen von Teuerung und Inflation, damit sie aktuelle Geschehnisse etwas fundierter verstehen lassen.

Mehr als 20 Institute der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) geben im neuen Campus Akademie in der Wiener Innenstadt Einblicke in ihre Forschung. Zu sehen sind etwa Herzzellen in der Petrischale oder Visualisierungen der ersten Atome, die sich nach dem Urknall gebildet haben. "Noch nie wurde so viel Wissen in so kurzer Zeit gewonnen wie heute", heißt es im Programm. Dabei werde unterschätzt, welche Rolle der Zufall, gepaart mit großer Aufmerksamkeit, bei bahnbrechenden Entdeckungen spielt. Unter dem Titel "Kleine Gehirne und große Erkenntnisse" erklärt "Science Buster" Martin Moder um 20.00 Uhr im barocken Festsaal des Alten ÖAW-Gebäudes auf dem Ignaz-Seipel-Platz in Wien, was wir mit unserem ganzen Wissen überhaupt alles anfangen können.

Auf dem Campus der Uni Wien im Alten AKH dreht es sich um Nachwuchsforschung: Doktoranden präsentieren den Mix ihrer Fachgebiete, der von Mikrobiologie und Umweltwissenschaft über Physik, Chemie, Pharmazie, Geologie und Astronomie bis hin zu Ernährungswissenschaft, Psychologie, Kunstgeschichte und Soziologie reicht. Die jungen Forschenden zeigen, wie sie zu ihren Erkenntnissen kommen, erklären Versuchsanordnungen und laden zum Experimentieren ein.

Wie klimafreundliche Lebensmittel schmecken, energieeffiziente Städte geplant werden können oder eine emissionslose Busflotte funktioniert, will das Klimaschutzministerium an einem neuen Standort, "Cape 10" genannt, vermitteln. In dem Sozialprojekt im Sonnwendviertel nahe dem Wiener Zentralbahnhof finden sich auch einige Stationen von Forschungsinstituten. Etwa widmet sich der Complexity Science Hub Vienna der Frage, warum die Grüne Wende kein einfaches Unterfangen ist, und präsentiert das Austrian Institute of Technology, Österreichs größte Technologieorganisation, Forschungsfortschritte zur Dekarbonisierung. Andere in Wien beheimatete Forschungszentren, wie die Institute des Vienna Biocenter, die MedUni Wien oder die Universität für Bodenkultur, offnen ihre eigenen Standorte für die Öffentlichkeit. Die heuer zum zehnten Mal stattfindende "Lange Nacht der Forschung" ist die im deutschsprachigen Raum größte Einzelveranstaltung zur Vermittlung von Wissenschaft. In Vorarlberg spannen 100 Forschungsstationen den Bogen von neuesten Innovationen zur Schadstoffsenkung bis zur faszinierenden Welt der Steinzeit. Auf der anderen Seite des Landes, im Burgenland, stehen etwa in Güssing eine Garnelenzucht und eine Anlage zur Herstellung von Energie aus biologischen Abfällen, in Eisenstadt das Landhaus und in Illmitz die Biologische Station Neusiedlersee offen, die das Steppenbiotop und seine Wasserqualität erforscht.

Geballte Leistungsschau

Was Skelette über das Leben der Menschen verraten, lässt sich in Niederösterreich im Museum Mamuz in Asparn begreifen. In Baden und Melk wiederum zeigen Pädagogische Hochschulen, wie eine Sonnenuhr funktioniert, wie Töne entstehen oder was man mit einer Eye-Tracking-Brille alles machen kann. Am Institute of Science and Technology Austria in Klosterneuburg erklären Forschende, wie eine Batterie funktioniert, wie Wolken entstehen oder was das Gas Methan in der Atmosphäre bewirkt.

Die "Lange Nacht der Forschung" wird von den drei Ministerien Wissenschaft, Klimaschutz und Wirtschaft finanziert und vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung und den Bundesländern organisiert. Sie sei "ein Element, um geballt zu präsentieren, was es an Wissenschaft in Österreich gibt", sagte Wissenschaftsminister Martin Polaschek kürzlich im Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten: Zusätzlich seien weitere "zahlreiche und langfristige Maßnahmen" zur Wissenschaftsvermittlung nötig, um die in Österreich laut Eurobarometer große Wissenschaftskepsis abzubauen.