Sand kann aus goldgelben Kristallen, rosa schimmernden Steinchen, kupfergrünen Partikeln oder pechschwarzen Bröseln bestehen. Wenn eine Sodafabrik in der Nähe ist, wird gelber Strand weiß.

Die meisten Sandvorkommen bestehen aus Quarz, das den chemischen Namen Siliciumdioxid trägt. Es wird zu besonders beständigem Quarz-Glas geschmolzen, das etwa zu optischen Linsen, Prismen oder Geräteglas verarbeitet wird. Das Element spielt auch eine Rolle bei der Herstellung von Papier, Medikamenten, Wasch- und Reinigungsmitteln, Haarsprays, Trockennahrung, Zahnpasta und Kosmetika. Auch in Farben und Lacken, Kunst- und Klebstoffen sowie Leichtmetallen findet es Anwendung. Ohne Sand gäbe es vermutlich keine Verkehrsmittel. Ohne ihn könnten Flugzeuge nicht abheben und Autos nicht zügig fahren. Es gäbe keine Innenräume aus Kunststoff, keine Triebwerke oder aerodynamische Flügel. Auch das Logo der Fluggesellschaft könnte nicht aufgemalt werden.

"Es ist wie mit der Luft, die wir atmen: Wir denken nicht an sie, aber ohne sie könnten wir nicht leben", sagt Kiran Pereira, Umweltspezialistin am Kings College in London. Sand enthält weiters Stoffe wie Silizium, Thorium und Uran. "Ohne hochwertigem Sand gäbe es keine Chips für die elektronischen Geräte und keine Mikroprozessoren für Computer, keine Bankomaten und keine Handys", betont Pereira. Aus ihm gewonnene Mineralien bilden die Grundlage der Informationsgesellschaft.

Den größten Bedarf hat die Bauindustrie. Seit 150 Jahren wird Sand mit Zement zu Beton vermischt. Stahlbeton heißt die Revolution hinter der systematischen Betonierung, die das Antlitz moderner Städte prägt. Das Material hält enorme Lasten aus und besitzt eine extrem hohe Biege- und Zugfestigkeit. Wegen der niedrigen Produktionskosten ist es das meistbenutzte Baumaterial. "Zwei Drittel aller Bauwerke bestehen aus Stahlbeton. Dieser wiederum besteht zu zwei Drittel aus Sand", erläutert Cyrille Simonnet, Direktor des Instituts für Architektur der Universität Genf, in der faszinierenden Arte-Doku "Sand - Die neue Umweltzeitbombe".

Gleichzeitige Knappheit -
und absoluter Überfluss

Sand ist das meistverbrauchte Wirtschaftsgut. Und er geht aus. Denn der Mensch greift im Übermaß zu und bedient sich an den Reserven. In jedem Haus mittlerer Größe stecken 200 Tonnen Sand. In jedem Krankenhaus 3000 Tonnen. Jeder Kilometer Autobahn frisst 30.000 und jedes Atomkraftwerk 12 Millionen Tonnen des überaus versatilen Sediments. Der weltweite Sandverbrauch beträgt 15 Milliarden Tonnen pro Jahr.

Glaubt man einschlägigen Wirtschaftsmeldungen, geht es der Sandindustrie prächtig. Am laufenden Band müssen neue Häuser, Brücken, Bürokomplexe, Fabriken und Shopping Malls, Autobahnen und Rennstrecken gebaut und schadhafte Straßen renoviert werden. Ständig wird neuer Zement gebraucht - nur die Nachfrage ist nicht immer leicht zu decken. "Früher gab es Sand- und Kiesgruben. Doch das ist vorbei, sie sind verbraucht", sagt ein US-Sandbaron in der TV-Doku. Viele Vorkommen sind erschöpft, denn der Mensch verbraucht die Reserven schneller, als diese sich erneuern.