Mehr als ein Luftgebäude: Das Grundgesetz, hier symbolisiert bei einer Feier am Brandenburger Tor, Berlin, 23. Mai 2013. - © dpa / picturedesk.com
Mehr als ein Luftgebäude: Das Grundgesetz, hier symbolisiert bei einer Feier am Brandenburger Tor, Berlin, 23. Mai 2013. - © dpa / picturedesk.com

Es ist hinter den Mauern des Reichstagsgebäudes in Berlin sicher verwahrt, 2,7 Zentimenter dick, trägt einen Einband aus Pergament, wiegt 1396 Gramm und wurde vor 70 Jahren in Bonn auf Büttenpapier mit schwarzer Schrift gedruckt. Es hat trotz 62 Änderungen und Zusätzen immer noch 146 Artikel. Es ist die Urschrift des deutschen Grundgesetzes. Öffentlich zu sehen ist sie nur, wenn Bundeskanzlerin oder Bundespräsident ihren Amtseid leisten und schwören, jenes Dokument zu wahren und verteidigen.

Das Grundgesetz ist nur vor dem spezifisch zeithistorischen Hintergrund der Bildung zweier völlig konträrer deutscher Staaten zu verstehen. Das zeichnete sich durch politische Weichenstellungen der letzten Kriegsjahre und in der ersten Nachkriegszeit ab.

Im Zeichen der Forderung der westalliierten Konferenz in Casablanca von 1943 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht am 8./9. Mai 1945 bedingungslos. Bezeichnend war die Unterfertigung von zwei Kapitulationsurkunden: in Reims gegenüber den westlichen und in Berlin-Karlshorst gegenüber den sowjetischen Militärs.

Das Ende der NS-Herrschaft ging mit militärischer Besetzung des Deutschen Reichs durch amerikanische, britische, französische und sowjetische Truppen einher. Ihre vier militärischen Oberbefehlshaber besaßen mit der Berliner Erklärung vom 5. Juni 1945 und dem Alliierten Kontrollrat die höchste Gewalt in Deutschland, das damit jegliche Souveränität verlor. Entgegen der Beschlüsse der Potsdamer Konferenz vom 2. August 1945 wurde Deutschland nicht als wirtschaftliche Einheit behandelt. Frankreich verweigerte seine Zustimmung zur Bildung deutscher Zentralbehörden.

Die USA scheiterten zunächst mit dem Vorstoß einer gemeinsamen Wirtschaftsverwaltung für die drei Westzonen. Während die Sowjets den US-Vorschlag ablehnten, stimmten die Briten zu. Am 1. Jänner 1947 folgte die Vereinigung zur amerikanisch-britischen "Bizone". Frankreich bildete erst am 8. April 1949 mit ihr die "Trizone". Der Kontrollrat verabschiedete Direktiven und Verordnungen im Sinne der fünf "Ds" von Potsdam hinsichtlich Dekartellisierung, Demilitarisierung, Demokratisierung, Denazifizierung und Dezentralisierung, wobei die Oberbefehlshaber in ihren Zonen eigenmächtig vorgingen.

Die Besatzungszonen

Hinsichtlich der Länder griffen die vier Mächte größtenteils auf historische Strukturen zurück - bis auf Preußen, das durch die Grenzen der Besatzungszonen aufgesplittert wurde. Im Juli 1945 wurden in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg gegründet. Das Office of Military Government of the United States (OMGUS) machte im September 1945 Bayern, Hessen, Württemberg-Baden und im Jänner 1947 Bremen zu Ländern. Seit Mitte 1946 wurden in der britischen Zone zum Teil neue Länder mit Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg gebildet, in der französischen Zone Baden, Württemberg-Hohenzollern und Rheinland-Pfalz. Das Saarland hatte Sonderstatus und wurde in das französische Zollgebiet eingeschlossen. 1955 folgte seine Rückgliederung an die Bundesrepublik durch Volksabstimmung.