Es stand schlecht um Rom im Jahr 217 vor Christus. Ein Jahr zuvor war Hannibal mit seiner Armee über die Alpen marschiert, seitdem zogen die Karthager plündernd durch Italien. In höchster Not wählten die Römer Quintus Fabius Maximus zum Diktator, er sollte die Republik in dieser verzwickten Lage retten. All jene, die einen heldenhaften Angriff gegen die Karthager erwarteten, wurden enttäuscht. Fabius tat etwas Unerwartetes: Anstatt die Entscheidung in einer offenen Schlacht zu suchen, beobachtete er aus sicherer Entfernung den Feind und wartete darauf, dass sich die Karthager eine Blöße geben würden.

Fabius musste von seinen römischen Landsleuten viel Kritik für sein Zögern einstecken, seine Gegner nannten ihn spöttisch cunctator, den Zauderer. Am Ende sollte sich diese Strategie aber bezahlt machen. Die Karthager, die im Feindesland operierten, verausgabten sich und mussten sich schließlich geschlagen geben.

Seit Fabius sind mehr als zweitausend Jahre vergangen und in ihnen kam das Zaudern zusehends aus der Mode. In den Buchhandlungen finden sich heute vielmehr Ratgeber wie "21 Wege, um sein Zaudern zu überwinden und in weniger Zeit mehr zu erledigen". Anpacken und betriebsam sein, das sind die Tugenden unserer Tage. Dies gilt erst recht, seit die elektronischen Medien den Takt vorgeben. In Zeiten von Internet, Twitter und Co sind schnelle Reaktionen gefragt. Innehalten, um sich blicken und die Gedanken sickern lassen, das ist in dieser von Geschwindigkeit geprägten Welt verpönt.

Es gibt aber noch ein Gebiet, auf dem sich die Zögerlichen und Zaudernden wohlfühlen, nämlich zwischen Buchdeckeln. In der europäischen Literatur gibt es viele Beispiele jener Gattung, die sich mit Entscheidungen schwertut - und sie lieber auf die lange Bank schiebt.

Achtzehn Jahrhunderte nach dem "cunctator" war es ein anderer bekannter Feldherr, der lange zögerte, nämlich Albrecht von Wallenstein. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges hatte er eine Armee aufgestellt und mit ihr den Habsburgern den Thron gerettet, Wallenstein wurde dadurch zum mächtigsten Feldherren der katholischen Seite. 1633, also fünfzehn Jahre nach dem Ausbruch des Krieges, war zwar ein großer Teil Deutschlands verwüstet, doch keine der beiden Parteien konnte einen entscheidenden Sieg verbuchen. Wallenstein zog sich mit seiner Armee nach Böhmen zurück und nahm Kontakt zu seinen protestantischen Gegnern auf. Eigenmächtig und ohne Genehmigung des Kaisers verhandelte er mit ihnen über einen möglichen Friedensschluss.