Wie viele Österreicher aus anderen Ländern dorthin deportiert wurden, ist unbekannt. Eine genaue Bezifferung der Gesamtzahl der österreichischen Opfer in Auschwitz ist somit - auch nach den im Zuge des Projekts "Namentliche Erfassung der österreichischen Holocaustopfer" jahrelang betriebenen Recherchen des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes - nicht möglich.

Von den 1500 österreichischen Auschwitz-Überlebenden war nur eine Minderheit jüdisch, wie der Historiker Winfried R. Garscha im Jahrbuch 2019 des DÖW schrieb; das heißt, dass wohl an die 14.000 österreichische Juden und Jüdinnen die Deportation nach Au-schwitz nicht überlebten: Sie wurden in den Gaskammern getötet oder sie fielen den mörderischen Haftbedingungen zum Opfer.

Mit dem Vater ins KZ

Zwei, die die Mordmaschinerie von Auschwitz überlebten, waren Gustav Kleinmann und sein Sohn Fritz. Gustav Kleinmann wurde am 2. Mai 1891 in Saybusch in Oberschlesien (heute Zywiec, Polen) geboren. Mit 15 Jahren kam er nach Wien und ergriff den Beruf des Tapezierers. Im Ersten Weltkrieg wurde er mehrfach verwundet und für seine Tapferkeit ausgezeichnet. 1917 heiratete er Tini Rothenstein, geboren am 2. Jänner 1893 in Wien. Die Eheleute bekamen vier Kinder: Fritz, Edith, Kurt and Hertha.

Seit den 1920er Jahren arbeitete Gustav Kleinmann als Tapezierermeister in der Leopoldstadt. Während der Novemberpogrome 1938 wurde er zusammen mit seinem 1923 geborenen Sohn Fritz verhaftet, verhört und misshandelt, aufgrund seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg allerdings nach kurzer Zeit wieder freigelassen. Ein knappes Jahr später erfolgte am 10. September 1939 die neuerliche Festnahme. Vater und Sohn Kleinmann wurden in das KZ Buchenwald deportiert, wo sie u.a. Zwangsarbeit im Steinbruch leisten mussten. Nach drei Jahren erging der Befehl, Gustav Kleinmann, der von der Sklavenarbeit schwer gezeichnet war, nach Auschwitz zu überstellen. Sein Sohn, der nicht von seinem Vater getrennt werden wollte, meldete sich freiwillig für den Transport.

Die beiden Auschwitz-Überlebenden Gustav (r.) und Fritz Kleinmann. - © Droemer Knaur
Die beiden Auschwitz-Überlebenden Gustav (r.) und Fritz Kleinmann. - © Droemer Knaur

1942 kamen beide in das KZ Buna/Monowitz. Gustav Kleinmann galt nach den Nürnberger Gesetzen als "Halbjude", weshalb er in weiterer Folge als "politischer Häftling" eingestuft wurde, was eine weniger schlimme Behandlung durch die SS mit sich brachte. Seine Frau Tini Kleinmann hingegen wurde gemeinsam mit ihrer 22-jährigen Tochter Hertha am 9. Juni 1942 vom Wiener Aspangbahnhof nach Maly Trostinec deportiert und dort sechs Tage später ermordet. Den Kindern Edith und Kurt Kleinmann gelang die Flucht nach Großbritannien bzw. in die USA.

Am 18. Jänner 1945 wurden Gustav und Fritz Kleinmann mit tausenden weiteren Auschwitz-Häftlingen auf einen "Todesmarsch" getrieben und dabei von einander getrennt. Gustav gelangte über das KZ Mittelbau-Dora nach Celle, wo er am 14. April durch die Briten befreit wurde. Nach zehn Tagen machte er sich mit einem Wiener Mithäftling auf den Weg nach Österreich. Fritz Kleinmann erlebte die Befreiung im KZ Gusen II, einem Außenkommando des KZ Mauthausen.