Das Großpersische Reich erstreckt sich von Indien bis an die kleinasiatische Küste, als die hier liegenden griechischen Stadtstaaten Anfang des 5. Jahrhunderts v.Chr. den Aufstand proben. 25 Schiffe aus Athen und Eretria kommen ihnen zu Hilfe. Unter König Dareios I. verschleppen die Perser daraufhin die Bewohner von Eretria, gelegen an der Westküste der Insel Euböa. Im demokratisch organisierten Athen will Dareios den einstigen Tyrannen Hippias wieder einsetzen.

Unweit des einstigen Schlachtfelds von Marathon wurde der erste Marathonlauf gestartet. 
- © Pinter

Unweit des einstigen Schlachtfelds von Marathon wurde der erste Marathonlauf gestartet.

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Manchen Adeligen Athens wäre das vermutlich recht, denn die zunehmende Beteiligung der Bürger kostet sie Einfluss. Wohl um sich den Rücken freizuhalten, möchte der Stratege Miltiades die Schlacht weit vor die Stadt verlegen. Athener und Plataier fangen die zahlenmäßig doppelt so starken Perser im September 490 v.Chr. ab, in der teils sumpfigen Ebene von Marathon. Laut dem Geschichtsschreiber Herodot greifen die Athener erstmals im Laufschritt an. Wenig später sollen 192 von ihnen, aber tausende Perser gefallen sein. Ein Meldeläufer trägt die Siegesmeldung in die Stadt, wo er, der Legende nach, tot zusammenbricht. In Vorbereitung der Olympischen Spiele von 1896 wird man sich an diese Erzählung erinnern - und die Sportdisziplin "Marathonlauf" erfinden.

Persische Invasion

Dareios ist mit seinem Expeditionsheer gescheitert. Sein Sohn Xerxes I. will es mit einem deutlich größeren Aufgebot zu Land und zur See versuchen. Allerdings lenkt ihn zunächst ein Aufstand in Ägypten ab. So bleibt den Griechen Zeit, sich vorzubereiten. Ihre Stadtstaaten sind untereinander teils verfeindet. Etlichen erscheint es zu riskant, sich gegen das persische Großreich zu stellen. Andere fürchten die Fremdherrschaft weniger als demokratische Strömungen in Inneren. 481 v.Chr. schließt sich dann eine recht kleine Zahl von etwa 30 Stadtstaaten zum Hellenenbund zusammen, unter der Führung des militanten Sparta.

Am Hellespont (heute Dardanellen genannt) lässt der persische Großkönig Xerxes zwei schwimmende Brücken errichten. Gespannte Seile halten Hundertschaften von Schiffen zusammen. Darüber marschieren zigtausende Soldaten seines Vielvölkerheeres von Asien nach Europa. Für Herodot sind es so viele, dass einigen Flüssen das Wasser ausgeht.

Das durchaus auch bestechliche Orakel in Delphi rät den Athenern zunächst, "ans Ende der Welt" zu fliehen. Im zweiten Anlauf meint es mehrdeutig, eine "hölzerne Mauer" böte Rettung. Manch einer denkt da an den Palisadenzaun, der die Athener Akropolis umgibt. Der Stratege Themistokles sieht sich hingegen in seinem Flottenprogramm bestätigt. Es wird mit dem Silber finanziert, das Sklaven in den Minen von Laurion abbauen müssen.

So entstehen zusätzlich hundert hölzerne Trieren - schwer bewaffnete, vergleichsweise wendige Schiffe mit bronzenem Rammsporn. Jede Triere wird von 170 Ruderern in drei Rängen angetrieben und trägt bis zu 200 kampfbereite Männer.

Die Versorgung des persischen Heeres sichert eine Kriegsflotte aus mindestens 600 Schiffen. Ein Sturm dezimiert diese maritime Streitmacht, bevor sie im Hochsommer des Jahres 480 v.Chr. am Kap Artemision einlangt. Hier, an der Nordspitze Euböas, stößt sie auf 300 griechische Schiffe.

Zur gleichen Zeit wird das persische Landheer an den Thermopylen aufgehalten - von den kampferprobten Männern aus Sparta, ihrem König Leonidas I. und verbündeten Thespiern. An diesem nur wenige Meter breiten Durchgang können die Perser "weder von ihrer Menge noch von ihrer Reiterei Gebrauch machen", so Herodot. Im Verlauf des mehrtägigen Gemetzels werden die Verteidiger dennoch in die Zange genommen und getötet.

Meerenge als Falle

Themistokles lässt Athen räumen. Selbst die Kriegs- und Weisheitsgöttin Athene hätte ihren Tempel verlassen, wird verlautbart. Die Athener Schiffe, obwohl jüngst vor Artemision "schlimm zugerichtet", bringen die Männer, deren Familien und deren Sklaven auf die nahe Insel Salamis. Die Perser besetzen eine weitgehend menschenleere Stadt. Die Tempel auf der Akropolis werden auf Befehl des Xerxes in Brand gesteckt und zerstört.

Wahrscheinlich sehen die verbündeten griechischen Seeleute den Widerschein des brennenden Athen am nächtlichen Osthimmel, als die Flotte vor Salamis ankert. Trotz geringer Routine im Seekrieg führt der Spartaner Eurybiades das Oberkommando. Er will die Perser am Isthmus von Korinth erwarten.

Der Historiker Herodot erzählt ausführlich über die Schlacht von Salamis. 
- © Pinter

Der Historiker Herodot erzählt ausführlich über die Schlacht von Salamis.

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Themistokles befehligt 180 Athener Schiffe und damit nach Herodot "allein mehr als alle anderen". Er widerspricht Eurybiades: Die Meerenge zwischen Salamis und dem Festland böte den Verbündeten größere Vorteile. Einmal aufgebrochen, könnten sich deren Schiffe hingegen zerstreuen oder gar Kurs auf ihre jeweilige Heimat nehmen.

Folgt man Herodot, so sendet Themistokles deshalb den Erzieher seines Sohns ins persische Lager. Sein Herr wolle Xerxes zum Sieg verhelfen, gibt der Sklave vor. Die Hellenen seien zerstritten und würden im Ernstfall gegeneinander kämpfen. Xerxes hofft offenbar, die noch versammelte griechische Flotte mit einem Schlag vernichten zu können. Er lässt sich am Berg Aegaleos einen Thron errichten, um die Seeschlacht mitzuverfolgen. Sie findet wahrscheinlich im September des Jahres 480 v.Chr. statt.

Einmal angegriffen, können die Schiffe der Verbündeten nicht mehr absegeln. Die Griechen wissen, wofür sie kämpfen. Hingegen machen die Angreifer laut Herodot "nichts mit Verstand". Jeder Schiffskommandant wolle mit Heldentaten vor Xerxes glänzen. Die persischen Schiffe sind schon bei Artemision "durch sich selbst im Nachteil" gewesen, wegen ihrer Größe und ihrer Menge. Jetzt, in der Meerenge von Salamis, fällt ihnen das Navigieren abermals schwer. Sie verstellen sich gegenseitig den Weg oder stoßen sogar zusammen.

Auf Seiten der Perser kämpft Artemisia, die Herrscherin von Halikarnassos. Die Griechen haben ein Kopfgeld von 10.000 Drachmen auf sie ausgesetzt, weil es ihnen laut Herodot "arg vorkommt", dass ausgerechnet "ein Weib gegen Athen zu Felde zieht". Doch Artemisia täuscht Freund und Feind. Von einem Athener gejagt, lässt sie ein für die Perser kämpfendes Schiff rammen, worauf der verwirrte Verfolger von ihr ablässt. Xerxes wiederum hält das versenkte Schiff für eines der Griechen und rühmt Artemisias Tapferkeit.

Auf dem Rückzug

Der Dramatiker Aischylos war in Marathon und in Salamis dabei. Sein Werk "Die Perser" wird 472 v.Chr. uraufgeführt. In diesem ältesten überlieferten Drama der Welt spricht der Dichter von einer vierfachen Übermacht der Perser; vermutlich, um den Sieg der Griechen noch glanzvoller erscheinen zu lassen. Jedenfalls befiehlt Xerxes am Ende der eintägigen Schlacht den Abzug seiner ramponierten Flotte. Er fürchtet einen Gegenangriff am Hellespont: Ohne die dortige Schiffsbrücke wäre sein Heer von Asien abgeschnitten.

Herodot erwähnt eine Sonnenfinsternis am 2. Oktober. An diesem Tag brechen auch die Spartaner auf. Eurybiades will den Persern den Rückweg aber nicht verstellen, sondern offen halten. Ansonsten könnte diesen "alles in Europa, Städte wie Völker" zufallen, so Herodot, "sei es durch Eroberung oder schon vorher durch Vergleich". Allerdings kommen Xerxes’ Fußtruppen ohne die Versorgung durch ihre Flotte nicht mehr recht vorwärts. Zwar plündern sie Athen noch ein zweites Mal, doch letztlich mangelt es ihnen an Unterstützung. Die Soldaten hungern.

Schlussendlich werden die Perser zurückgedrängt. Für Herodot bestrafen die Götter den Hochmut des Xerxes: Sie vergönnten es einem einzelnen Mann nicht, sowohl über Asien wie auch Europa zu herrschen.

Gegen den Wunsch des eifersüchtigen Sparta nutzt Athen die Trümmer der Zerstörung - den sogenannten "Perserschutt" -, um sogleich eine mächtige Stadtmauer hochzuziehen. Kurz danach sorgt Athen für einen neuen Beistandspakt, den Delisch-Attischen Seebund. Delos fungiert als Tagungsort, der dortige Apollon-Tempel als Schatzhaus. Der Bund ist erst aufgelöst, wenn die bei seiner Gründung ins Meer gekippten Eisenklumpen wieder aus den Wogen auftauchen.

Die Mondfinsternis vom 5. Juni 465 v. Chr. half, um Xerxes' Todestag zu datieren. 
- © Grafik Pinter

Die Mondfinsternis vom 5. Juni 465 v. Chr. half, um Xerxes' Todestag zu datieren.

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In diesem Bündnis stellt Athen das Gros der Schiffe. Samos, Naxos, Chios oder Lesbos steuern Kontingente bei. Wer dies nicht kann oder will, entrichtet Geldzahlungen. Wer das Bündnis verlassen möchte, wird mit Gewalt daran gehindert. Mit den Beitragsleistungen baut Athen seine Flotte noch weiter aus und erhebt sich zur wichtigsten Seemacht im östlichen Mittelmeer.

In der Nacht vom 5. zum 6. Juni 465 v.Chr. verschwindet der Vollmond einer astronomischen Finsternis wegen fast völlig vom Himmel. Zwei Mondmonate später fällt Großkönig Xerxes I. einem Mordanschlag zum Opfer. Wie weit er ohne den Zusammenschluss der Griechen vorgerückt wäre, bleibt Spekulation; noch mehr, wie dies die Entwicklung Europas beeinflusst hätte.

Athen blüht auf

Die neue Hegemonialmacht Athen erlebt nun jedenfalls eine Blütezeit. Unter dem einflussreichen Politiker Perikles startet ein enormes, teils mit Abgaben der Seebundstaaten finanziertes Bauprogramm - vor allem auf der verwüsteten Akropolis: Die noch heute bewunderten Bauwerke Parthenon, Erechtheion, Propyläen oder Nike-Tempel entstehen ab dem Jahr 447 v.Chr., also erst nach den Perserkriegen. Sie sollen aller Welt Athens neues Selbstbewusstsein signalisieren. Der Parthenon, das "Jungfrauengemach" zu Ehren der Göttin Athene, nimmt schließlich auch die Gelder des Seebunds auf.

Der Göttin Athene zu Ehren schuf man nach den Perserkriegen den Parthenon auf der Akropolis. 
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Der Göttin Athene zu Ehren schuf man nach den Perserkriegen den Parthenon auf der Akropolis.

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In Griechenland feierte man das 2.500-jährige Jubiläum von Salamis oft schon im Jahr 2020 - und damit zu früh. Die christliche Jahreszählung kennt nämlich kein "Jahr null": Dort geht dem Jahr 1 n. Chr. gleich das Jahr 1 v.Chr. voraus. Für eine mathematisch korrekte Rechnung über die Zeitenwende hinweg ist die astronomische Jahreszählung anzuwenden: 1 v.Chr entspricht hier dem Jahr "0", das schicksalhafte 480 v.Chr. dem Jahr "-479". Die Seeschlacht jährt sich somit erst jetzt zum 2.500 Mal.