Auch Umwelthistorikerin Verena Winiwarter, Österreichs "Wissenschafterin des Jahres" 2013, zählt zu den Unterzeichnerinnen. "Angst ist keine wissenschaftliche Kategorie", erklärt sie. "Aber ich bin aufgrund der Evidenz besorgt wie eine Ärztin, die die Symptome des Patienten kennt und die Prognose einschätzen kann. WissenschaftlerInnen sind vor allem Menschen und BürgerInnen und weil sie eben nicht NUR WissenschaftlerInnen sind, sondern AUCH BürgerInnen, ist es ihre Bürgerpflicht, ihr Wissen dort, wo es relevant sein könnte, einzubringen."

Aufklärerischer Akt

In anderer Position findet sich Albert van Jaarsveld, Direktor des Instituts für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg. Das IIASA, das Lösungen für globale Probleme wie den Klimawandel sucht und die Erkenntnisse politischen Entscheidungsträgern weltweit zur Verfügung stellt, wird zu 60 Prozent von seinen 24 Mitgliedsstaaten finanziert. "Wir haben kein Problem, wenn IIASA-Forscher als Individuen unterschreiben. Aber als Institution, die Klimaforschung vorantreibt, hoffen wir, dass die politischen Kräfte Konsequenzen aus unseren Forschungsergebnissen ziehen. Unsere Rolle ist es, die Wissenschaft für politische Entscheidungen bereit zu stellen. Als Institut positionieren wir uns nicht als Aktivisten", erklärt er. Das IIASA schaffe Fakten, gehe aber nicht für die Fakten auf die Barrikaden.

"Natürlich ist es das oberste Ziel der Wissenschaft, Fakten zu schaffen. Aber wir müssen diese Fakten auch kommunizieren", betont Stefan Thurner, wissenschaftlicher Leiter des Complexity Science Hub in Wien. Für den Komplexitätsforscher ist aufklärerisch zu wirken ein Teil der wissenschaftlichen Aufgabe. "Wir müssen Fakten darstellen und auf nachvollziehbare Art und Weise die bestmöglichen Schlüsse aus ihnen ziehen", sagt er: "Das ist Wissenschaftskommunikation." Aktivismus ließe sich hingegen für jedes Thema veranstalten, "für Aktivismus brauche ich nicht unbedingt Fakten". So gesehen würden die "Fridays for Future"-Demonstrationen beides vereinen. "Da es vielfach bestätigt ist, dass die Existenz menschlicher Zivilisationen die Erde schnell erwärmt und die Risiken massiv sind. Unser Engagement kann man auch als etwas lauteren aufklärerischen Akt sehen", sagt er.

Jedes Wissen ist vorläufig und ein Kind seiner Zeit. Aber es gibt gut abgestütztes Wissen, ihm zu trauen ist rational. "Ich bin als Bürgerin geradezu verpflichtet, systematisch gewonnenes Wissen in gesellschaftlichen Diskursen zu vertreten", betont Winiwarter. "Das ist keine Frage des Aktivismus, sondern des Universitätsgesetzes 2002, Absatz 1."

Respekt und Unterstützung

Demnach sind Universitäten berufen, der wissenschaftlichen Forschung und Lehre zu dienen und hiedurch auch verantwortlich, zur Lösung der Probleme des Menschen sowie zur gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft und der natürlichen Umwelt beizutragen. "Als Universitätsangehörige ist es meine Pflicht, einen Beitrag zu leisten", erklärt Winiwarter.

Auch der Gewässerökologe Klement Tockner, Chef des Wissenschaftsfonds FWF, sieht sich und die Gesellschaft in der Verantwortung. "Die Jugendlichen nehmen diese Verantwortung wahr. Das verdient Respekt und die volle Unterstützung der Wissenschaft. Deswegen meine Solidarität - es benötigt ein gemeinsames Ziehen der Betroffenen, von Jung und Alt, von der Politik über die Wirtschaft bis zur Wissenschaft."