Ein Ozonloch, weitaus größer als jenes über der Antarktis, erstreckt sich seit den 1980ern über den Tropen. Das berichtet ein kanadisches Forschungsteam im Fachmagazin "AIP Advances".

Die Ozonschicht nimmt den Großteil der schädlichen UV- Strahlung der Sonne auf. Als Ozonloch wird eine Region der Erdatmosphäre mit einem Ozonverlust von mehr als 25 Prozent im Vergleich zur ungestörten Atmosphäre bezeichnet. Seit den 1970er Jahren ist bekannt, dass Industriechemikalien, in erster Linie Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die Ozonschicht angreifen. Obwohl weitreichende Verbote den Effekt eindämmen, schreitet der Ozonabbau voran.

Qing-Bin Lu von der University of Waterloo in Ontario und seine Kollegen wollen eine ganzjährig betroffene Region in der unteren Stratosphäre entdeckt haben, deren Tiefe mit der des bekannten antarktischen Frühlingslochs vergleichbar, jedoch sieben Mal größer ist. "Tropische Gebiete stellen etwa die Hälfte der Erdoberfläche zu Land dar und beherbergen die Hälfte der Weltbevölkerung", wird Lu in einer Aussendung zur Studie zitiert: "Das Ozonloch über den Tropen könnte globalen Schaden anrichten."

Der Rückgang der Ozonschicht kann zu einer erhöhten Konzentration der UV-Strahlung am Boden führen, die das Risiko für Hautkrebs und Grauen Star bei Menschen steigert, das Immunsystem angreift, die landwirtschaftliche Produktivität senkt und Ökosysteme schädigt.

Bisher war bekannt, dass das Ozonloch über der Antarktis das Klimagefüge der Erde verändert und der Effekt sich bis in den tropischen Pazifik erstreckt. Lus Beobachtungen sind nach eigenen Aussagen überraschend, da konventionelle photochemische Modelle diese Formierung über den Tropen nicht registriert hätten. Seine Beobachtungsdaten stimmen mit dem Modell der durch kosmische Strahlung angetriebenen Elektronenreaktion (CRE) überein und deuten darauf hin, dass der gleiche physikalische Mechanismus für die antarktischen und die tropischen Ozonlöcher verantwortlich ist. Wie beim polaren Ozonloch sind auch im Zentrum des tropischen Ozonlochs etwa 80 Prozent des normalen Ozonwerts abgebaut.(est)