Wien. 24 Milliarden Selfies sind 24 Milliarden Möglichkeiten, uns mit anderen zu vergleichen. Was latent vorhandene Verunsicherung mit dem eigenen Äußeren schüren kann wie Wind das Feuer.? - In seinem neu erschienenen Buch ?Deine Nase kann nichts dafür. Wie wir uns vor dem Schönheitswahn retten? stellt der Plastische Chirurg Artur Worseg die Sozialen Medien an den Pranger und empfiehlt die Rückbesinnung auf das innere Ich und Sich-Zeit-Nehmen als Alternative zur Chirurgie. Die ?Wiener Zeitung? im Gespräch mit dem - auch aus dem Fernsehen - bekannten Beauty-Arzt.

Wiener Zeitung: Nase, Lippe, Busen, Po sind immer ein Thema - Warum ist der Mensch überhaupt unzufrieden mit seinem Äußeren?

Artur Worseg: Jeder Mensch hat eine Idealvorstellung von seinem Körper. Entspricht diese nicht der Realvorstellung für sich selbst, ist er unzufrieden - mit allen Begleiterscheinungen. Das ist das Körperbild. Darunter versteht man eben weniger, wie ich aussehe, sondern wie ich mich fühle, wenn ich mich anschaue. Das kann Unzufriedenheit auslösen.

Artur Worseg, geboren 1959 in Villach, ist seit mehr als 25 Jahren als Facharzt für Plastische Chirurgie tätig. Er ist Leiter der Privatklinik Währing in Wien. - © privat
Artur Worseg, geboren 1959 in Villach, ist seit mehr als 25 Jahren als Facharzt für Plastische Chirurgie tätig. Er ist Leiter der Privatklinik Währing in Wien. - © privat

In Ihrem Buch schreiben Sie: Die Schönheitsoperation ist die Behandlung eines Symptoms. Doch wo liegt die Ursache?

Woher diese Körperbildstörung kommt, weiß man nicht genau. Es kann auch in der Vergangenheit liegen. Man fühlt sich nicht wohl und fixiert das auf den Körper. Oder umgekehrt. Es hängt bestimmt auch mit der eigenen Geschichte zusammen: Blöde Bemerkungen in der Schule oder von den Eltern können noch Jahre später nachwirken. Heute wird diese Unzufriedenheit, so glaubt man, durch die sozialen Medien noch verstärkt. Die Selfie-Generation kommuniziert vor allem in Bildern, was sich negativ auf das eigene Körperbild auswirken kann. Das sind alles Dinge, die die Unzufriedenheit verstärken oder wieder zum Ausbruch bringen können.

Auf Instagram, Facebook und Co. setzen sich Menschen täglich in Szene - birgt das noch mehr Gefahr?

Es gibt schon einige Studien, die zeigen, dass dieser ewige Vergleich mit anderen, die sich nur im besten Licht darstellen, dazu beiträgt, dass man sich mehr mit seinem Äußeren beschäftigt. Das sind ja immer nur die besten Bilder, die dort gezeigt werden, und nicht die schlechtesten.

Fast die Hälfte aller Frauen und Männer, die einen Schönheitschirurgen konsultieren, zeigen Zeichen einer psychischen Auffälligkeit. Resultiert der Wunsch nach Veränderung genau daraus oder resultiert die psychische Belastung aus dem Umstand, dass man sich nicht schön fühlt? Also Henne oder Ei?