Los Angeles/Wien.In einem kleinen Labor im El-Dorado-Staat Kalifornien könnte ein Traum der Menschheit wahr werden: ein langes, gesundes Leben von jugendlichem Wohlgefühl. Einem Forschungsteam ist es gelungen, die biologische Uhr des Menschen zurückzudrehen, und zwar mit erstaunlich einfachen Mitteln.

Über einen Zeitraum von einem Jahr hatte das Team um den Biomathematiker Steve Horvath von der University of California neun gesunden, männlichen Freiwilligen im Alter zwischen 51 und 65 Jahren einen Cocktail von drei handelsüblichen Wirkstoffen verabreicht. Die Mischung aus einem Wachstumshormon und zwei Mitteln gegen Diabetes habe die Männer um durchschnittlich zweieinhalb Jahre verjüngt, so die Forscher. Als Maß dienten epigenetische Markierungen an der DNA.

Zellen mit Signaturen

Die DNA trägt das Erbgut. Epigenetische Markierungen an ihr entstehen durch Umwelteinflüsse. Das Fachgebiet Epigenetik untersucht, welche Faktoren jenseits von Mutation und Rekombination die Aktivität eines Gens beeinflussen. Es erforscht chemische und strukturelle Veränderungen, die nicht die Abfolge der DNA-Bausteine beeinflussen, sondern bestimmen, wie der Körper die Gene abliest. Auch diese Markierungen werden weitergegeben, wenn sich die Zellen teilen. Dieser Prozess nennt sich DNA-Methylierung.

Epigenetische Forschungen finden im Zusammenhang mit anhaltenden Veränderungen im Lebenslauf und der Ausbildung von Krankheiten immer mehr Beachtung. Während etwa eineiige Zwillinge im Alter von drei Jahren sich epigenetisch in hohem Maß ähnlich sind, kann es mit 50 Jahren anders sein, etwa wenn das Zwillingspaar wenig Lebenszeit gemeinsam verbringt oder der Gesundheitszustand der beiden sich stark unterscheidet.

Horvath hatte bereits 2014 eine innere Uhr im Körper entdeckt, die auf den Mechanismen der Epigenetik beruht. Sie tickt in nahezu allen Teilen des Körpers gleich. Auch wenn die Zellen älter werden, verändert sich das Muster der Markierungen. Das geschieht mit einer solchen Regelmäßigkeit, dass manche Marker als Zeitgeber fungieren. Horvath hatte hunderte DNA-Positionen untersucht und bestimmt, wie häufig sie methyliert waren. Die Daten wertete er mit einem Algorithmus aus. Dieser lieferte eine erstaunlich genaue Abschätzung des Alters nicht nur der Zellen, sondern auch der Personen, denen die Daten gehörten. Weiße Blutzellen etwa leben zumeist nur wenige Tage, doch sie tragen die Signatur ihres 50-jährigen Spenders. Ähnlich verhält es sich mit DNA aus der Mundhöhle, dem Darm oder anderen Organen.