Mit den Lockdowns während der Corona-Pandemie haben sich die Denkmuster der Menschen verändert. Zu diesem Schluss kommen britische Forscher in einer im Fachblatt "Pnas" publizierten Studie. Die soziale Isolation und die veränderten Arbeitsmöglichkeiten führten dazu, dass wir weniger an andere Menschen und auch weniger an unsere Zukunftspläne dachten, schreiben die Forscher um die Psychologin Bronte McKeown von der University of York.

Vor allem der erste große Lockdown führte zu einer massiven Störung des sozialen und beruflichen Lebens. Die Menschen verbrachten ihre Zeit großteils zu Hause. Homeoffice und Homeschooling prägten den Alltag der Familien. Daher wollten die Wissenschafter herausfinden, welche Auswirkungen diese tiefgreifenden Veränderungen auf unsere täglichen Gedanken hatten. Eine Woche lang schrieben die Forschenden zu zufälligen Tageszeiten eine SMS-Nachricht an die Probanden und fragten diese, woran sie zu diesem Zeitpunkt gerade gedacht hatten und was sie gerade taten. Im Anschluss verglichen sie die Gedankenmuster aus diesem Datensatz mit einem vergleichbaren Datensatz, der vor den Lockdowns erhoben worden war.

Der soziale Denker

"Normalerweise verbringen Menschen in ihrem Alltag viel Zeit damit, über andere Menschen nachzudenken und auch die Zukunft zu planen. Wir fanden heraus, dass diese beiden Denkmuster während der Isolation gestört waren", betont McKeown. Das Zukunftsdenken in üblichem Ausmaß war nur bei Menschen vorhanden, die weiter aktiv an ihrer Arbeit an ihrem bisherigen Arbeitsplatz beteiligt waren.

"Wir wissen, dass Zukunftsdenken im Allgemeinen mit positiven Auswirkungen auf die psychische Gesundheit verbunden ist. Die Tatsache, dass diese Art des Denkens während des Lockdowns reduziert war, könnte dazu beitragen, einige negativen emotionalen Veränderungen zu erklären, die während dieser Zeit dokumentiert wurden", erklärt die Forscherin.

Zudem waren die Menschen viel mehr allein. In solchen Situationen neigt man dazu, weniger an andere zu denken. Das veränderte sich allerdings bei den seltenen Gelegenheiten sozialer Interaktion wieder rasch, heißt es in der Studie.

Das alles deute darauf hin, dass menschliches Miteinander sehr viel dazu beiträgt, auf welche Art und Weise wir über andere Menschen nachdenken. "Wir sind soziale Denker, weil wir in einer sozialen Welt leben", betont McKeown.

Vielfach hätten Menschen schon anekdotisch von Veränderungen in Aspekten ihres geistigen Lebens berichtet. Die Studie ist jedoch die erste, die tatsächlich diese systematischen Veränderungen dokumentiert.

Das Wachleben

"Unsere Ergebnisse sind aufregend, weil sie zeigen, wie wichtig unser äußeres Umfeld und unsere sozialen Interaktionen für die Beeinflussung innerer Vorgänge sind, und sie legen zudem nahe, dass die Veränderung unserer äußeren Welt eine Möglichkeit sein könnte, die adaptiven Denkmuster zu verändern, die einen Großteil unseres Wachlebens ausmachen", erklärt die Mitautorin Giulia Poerio von der University of Essex.

Die Studienergebnisse würden die wichtige Rolle unterstreichen, die unser soziales und berufliches Leben dabei spielt, was wir denken und wie wir denken, während wir unseren persönlichen Alltag bestreiten, schlussfolgern die Studienautoren.