Dublin/Wien. Die neolithische Revolution, also jene Zeit, in der der Mensch erstmals Landwirtschaft betrieben hat und damit auch sesshaft wurde, hat drei Mal völlig unabhängig voneinander stattgefunden. Nämlich im Fruchtbaren Halbmond des Nahen Ostens, in Südchina und in Mittelamerika. Von diesen drei Keimzentren aus wurde die Landwirtschaft während der Jungsteinzeit (Neolithikum) nach und nach auch in andere Regionen gebracht. Die damaligen Farmer übernahmen dabei die neuen Gebiete ohne Rücksicht auf die anwesenden Jäger und Sammler und vermischten sich mit ihnen.

Einen völlig anderen Verlauf hat die Entwicklung im Baltikum genommen. Die dortigen Jäger und Sammler ließen sich offenbar nicht verdrängen, sondern eigneten sich durch Kommunikation und Kulturaustausch das Wissen über die Landwirtschaft von den Bauern aus dem Nahen Osten an.

Die neuen Erkenntnisse fließen in Debatten rund um das sogenannte neolithische Bündel ein. Dieses ist geprägt durch die Domestizierung von Tieren und Pflanzen, die Sesshaftigkeit der Bauern, die Verbreitung geschliffener Steingeräte und die Ausweitung des Gebrauchs von Keramiken. Diese Entwicklungen revolutionierten das menschliche Dasein quer über Europa hinweg.

Erbgut blieb erhalten

DNA-Nachweise haben gezeigt, dass das neolithische Bündel und damit auch die erforderlichen Fähigkeiten durch Migration und genetische Durchmischungen weitergetragen wurden: Die levantinischen und später auch anatolischen Bauern hatten sich mit den jeweils ansässigen Jägern und Sammlern entweder gekreuzt oder hatten sie gar ersetzt.

Die Archäologie zeigt, dass die Situation in der baltischen Region eine andere war. Die Technologien entwickelten sich dort zwar weniger schnell, aber ohne Vermischung. Die Analysen zeigen, dass das Erbgut der Bevölkerung dasselbe blieb wie jenes der Jäger und Sammler. Andrea Manica von der Universität Cambridge zufolge sind in der DNA keine Spuren levantinischer oder anatolischer Farmer zu finden. Für ihre Untersuchungen griffen die Forscher auf 5000 bis 8000 Jahre alte archäologische Funde aus Lettland und der Ukraine zurück, berichten sie in "Current Biology". Die Proben umfassen die Zeit der neolithischen Revolution, in der Landwirtschaft und Töpferei in Europa Einzug hielten.

Das sequenzierte Erbgut zeigt dennoch einen genetischen Einfluss einer externen Quelle - nämlich aus dem Westteil der Eurasischen Steppe. Durch Migration scheint sich die Bevölkerung durchmischt zu haben. Der Zeitpunkt passt zudem mit der Entstehung der frühen slawischen Sprache zusammen.