Wo Sonnen geboren werden

Himmelsfotografen wissen: Weite Teile des Orion sind von einer Riesenmolekülwolke durchzogen. In ihr werden neue Sonnen geboren. Unterhalb von Orions Gürtel sind einige dieser stellaren Kinder bereits hervorgetreten. Sie regen den umgebenden Wasserstoff mit ihrem starken UV-Licht zum Leuchten an. Abseits der Stadt ist dieser hellste Teil des Orionnebels schon mit unbewaffnetem Auge zu erahnen; ein Feldstecher offenbart seine Pracht.

Der leicht orangefarbige Stern Aldebaran – ebenfalls ein Roter Riese – bildet das blutunterlaufene Auge des himmlischen Stiers. Dieses Tierkreissternbild gemahnt an die Entführung der Europa. Der liebestolle Gott Zeus täuschte die phönizische Königstochter einst in Gestalt eines anmutigen weißen Stiers. Als sie sich arglos auf seinen Rücken schwang, tauchte er mit ihr ins Meer ein – und verschleppte Europa nach Kreta. Dort wurde sie so beliebt, dass man gleich den ganzen Kontinent nach ihr benannte.

Der himmlische Stier betört mit zwei Offenen Sternhaufen. An seinem Nacken schimmern die Plejaden. In der Antike sah man darin sieben Schwestern. Damit lagen die Alten gar nicht so falsch. Denn die Plejadensterne – es sind rund tausend – wurden vor etwa 100 Milionen Jahren in ein und derselben Molekülwolke geboren. Noch weilen sie eng beisammen. Die sechsmal älteren Hyaden wirken hingegen schon sehr aufgelockert. Diese v-förmige Sterngruppe schließt nur scheinbar an den Aldebaran an. Sie ist deutlich weiter entfernt.

"Schmuckkästchen" des Himmels

Offene Sternhaufen gelten als die "Schmuckkästchen" des Himmels. Um die drei distanzierten Haufen im Sternbild Fuhrmann zu studieren, braucht es ein Fernrohr. Der Fuhrmann soll Erichthonios darstellen, den mythischen König von Attika. Da er nicht gehen konnte, ersann er entweder das Rad oder wenigstens das Vierergespann. Begraben wurde Erichthonios auf der Athener Akropolis – und zwar an jener Stelle, an der sich der Tempel Erechtheion erhebt.

Hoch droben am Firmament leuchtet jetzt Capella (lat., "kleine Ziege"), der Hauptstern des Fuhrmanns. Capella repräsentiert jenes Tier, dessen Milch einst den jungen Zeus nährte. Der Säugling wurde zunächst nämlich im kretischen Idagebirge versteckt, da sein Vater alle Nachkommen verschlang. Das abgesägte Horn der Ziege wurde zum legendären Füllhorn, das fortan für Reichtum und Fruchtbarkeit stand.