"Wo das Nachtleben nie aufhört": Mit diesem Slogan bewirbt die US-Weltraumbehörde den nur neun Lichtjahre entfernten Planeten PSOJ318.5-22. In Grafiken, die an Werbeplakate für Ferienreisen erinnern, porträtiert die Nasa die Entdeckungen ihres Weltraumteleskops Kepler. PSOJ318.5-22 ist ein Planet ohne Heimatstern. Er vagabundiert ohne Orbit durchs All. Auf den Planeten dieser speziellen Kategorie ist es immer Nacht. Einer These zufolge wurden sie nach Zusammenstößen mit anderen Himmelskörpern aus jungen Sonnensystemen katapultiert.

Niederschläge aus Glas

Seltsam wären die Schattenspiele auf Kepler-16b. Wir könnten uns dort stets sturzbetrunken fühlen, denn wir würden ständig unseren Schatten doppelt sehen. Das liegt daran, dass Kepler-16b um einen Doppelstern kreist, ähnlich wie Luke Skywalkers Planet Tatooine im Film "Star Wars". Der Gasriese, dessen Temperatur jener von Trockeneis gleichkommt, holt den filmischen doppelten Sonnenuntergang in das Reich der Fakten.

Kepler-186f, ein 2014 entdeckter, 490 Lichtjahre entfernter Exoplanet, ist der erste so groß wie die Erde, der in der bewohnbaren Zone seines Sterns nachgewiesen wurde. Falls es dort Pflanzen gibt, könnten sie statt grasgrün einfach knallrot sein. Die Nasa hält es für möglich, dass rote Wellenlängen ein anderes Spektrum im pflanzlichen Stoffwechsel erzeugen.

Besonders widerlich würde sich unser Leben auf HD189733b gestalten. Seine hübsche, kobaltblaue Erscheinung kommt von tödlichen Niederschlägen. Denn das Blau ist nicht Wasser, sondern atmosphärischen Wolken aus winzigen Glastropfen geschuldet, sodass uns Windhosen mit Millionen von winzigen Schnitten treffen würden. Noch infernalischer sind die Niederschläge freilich auf dem 1000 Lichtjahre entfernten HAT-P-32b, denn seine Wolken bestehen sogar aus Eisen-Tröpfchen. Wohltuender Wasserregen wie bei uns ist, wie es scheint, die Ausnahme.

Doch auch bei Mutter Erde waren die Vorzeichen alles andere als optimal. Wegen der damals geringen Strahlkraft der Sonne hätte die junge Erde total vergletschern müssen. Als blitzweiße Eiskugel hätte sie Licht, und damit Wärme, immer nur abgestrahlt. Bis heute hätte kein intelligentes Leben entstehen können, wenn es in der frühen Erdgeschichte keinen Treibhauseffekt gegeben hätte, der Teile des Sonnenlichtes im System hielt. Kohlendioxid, Methan und Wasserdampf machten es möglich. Allerdings wäre der Blaue Planet zu einer zweiten Venus verkommen, wenn sich sein Wasserdampf nicht verflüssigt hätte. Es regnete, und der massive Treibhauseffekt regulierte sich selbst. Im Laufe der Zeit bildete sich Sauerstoff.

Stabilität der Evolution

Warum ist das für uns relevant? "Ich stehe auf der Erde, atme, trinke Wasser und mache mir in der meisten Zeit keine Gedanken darüber, woher das alles kommt", sinniert Harald Lesch, Astrophysiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in einem Video zu seinem Buch "Was hat das Universum mit mir zu tun?". Atemluft, Wasser und alle Stoffe, die wir aus der Umgebung aufnehmen, befördern das Leben. Der Körper holt sich daraus die Energie, die er braucht, um seine Struktur aufrecht zu erhalten und dem Chaos zu widerstehen.