Astronomen der Europäischen Südsternwarte (ESO) mit Sitz in Garching bei München haben Planeten um einen Stern in unserer kosmischen Nachbarschaft unter die Lupe genommen und entdeckt, dass diese den inneren Planeten in unserem Sonnensystem recht ähnlich zu sein scheinen. Um den nur 35 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern L 98-59 kreisen der leichteste je gemessene Gesteinsplanet, eine ozeanische Welt und möglicherweise ein Planet in der bewohnbaren Zone. Die Beobachtungen wurden mit dem Very Large Telescope der ESO in Chile gemacht.

"Der Planet in der habitablen Zone seiner Sonne kreist nahe genug um sie, um moderate Temperaturen zu ermöglichen, und könnte von einer Atmosphäre umhüllt sein, die die Existenz von Leben erlaubt", wird María Rosa Zapatero Osorio, Astronomin am Zentrum für Astrobiologie in Madrid, in einer Aussendung zu der im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics" publizierten Studie zitiert. Die Messungen würden einen wichtigen Schritt auf der Suche nach Leben auf erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnesystems darstellen.

Biosignaturen der Stoffe, die Leben, wie wir es kennen, ein- und ausatmet, wie Wasserdampf, Sauerstoff und Methan, gelten in der Astrobiologie als Zeichen für Leben auf solchen Himmelskörpern. Allerdings sind derzeitige Teleskope noch nicht in der Lage, verlässliche Ergebnisse bei kleinen Felsplaneten zu liefern. Künftige Technologien müssten sich laut den Forschern vor allem auch auf L 98-59 konzentrieren. Anhand ihrer Daten gehen sie davon aus, dass drei der bestätigten vier Planeten des Systems Wasser aufweisen, entweder in der Atmosphäre oder unter dem Boden.

Noch spannender: Ein Drittel der Oberfläche des dritten Planeten könnte von Wasser bedeckt sein, was aus ihm eine Welt der Ozeane machen würde. Bei dem vierten bestätigten Exoplaneten gehen sie ebenso wie bei einem noch unbestätigten fünften davon aus, dass diese im richtigen Abstand zu ihrem Stern kreisen, um flüssiges Wasser zur ermöglichen. "Wir vermuten einen erdähnlichen Planeten in der habitablen Zone", sagt Studienleiter Olivier Demangeon vom Institut für Astrophysik und Weltraum der Universität Porto in Portugal.

Von einem technischen Durchbruch sprechen die Forscher außerdem im Bezug auf die Messung des innersten, um L 98-59 kreisenden Himmelskörpers mithilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode. Der Planet sei zwar aller Wahrscheinlichkeit nach trocken oder mit höchstens kleinen Mengen von Wasser ausgestattet. Er habe jedoch die halbe Masse der Venus und stelle somit den leichtesten Gesteinsplaneten dar, der bisher gemessen wurde.

Das Sonnensystem L 98-59s wurde erstmals im Jahr 2019 vom Tess-Teleskop der US-Weltraumbehörde Nasa entdeckt, das Planetentransits vor Sternen und damit Planeten-Größen misst. Mit Hilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode konnten die Forscher präzisere Einblicke gewinnen, woraus die Himmelskörper bestehen. Die Methode beruht auf der Tatsache, dass in einem Planetensystemen Planet und Stern einen gemeinsamen Masseschwerpunkt umkreisen und der Planet an seinem Stern zieht. Mit den derzeit in Bau befindlichen Teleskopen James Webb der Nasa und Extremely Large Telescope der ESO wollen die Forscher ihre Beobachtungen ab 2027 bestätigen.