Auch Schimpansen können an der Nase herumführen. - © Corbis/DLILLC
Auch Schimpansen können an der Nase herumführen. - © Corbis/DLILLC

Berlin. Fußball-WM? Autoabgase? Steuererklärung? Da lässt sich doch bestimmt was drehen! Menschen sind erstaunlich kreativ darin, sich mit unlauteren Mitteln einen Vorteil zu verschaffen. Von der Alltagsschwindelei bis zum Millionen-Betrug gilt dabei jedoch die Devise: Bloß nicht erwischen lassen! Und das erfordert Grips.

Andere erfolgreich übers Ohr zu hauen, galt lange als typisch menschlich. Ein Irrtum - auch in der Tierwelt werden immer mehr Betrüger überführt. Einer davon heißt Santino und lebt im Zoo von Furuvik in Schweden. Schon vor Jahren ist der Schimpanse aufgefallen: Er sammelte Steine, brach Betonbrocken aus der Einfriedung und warf damit auf die Besucher. Schreiend, mit gesträubten Haaren rannte er auf seine Opfer zu. Diese zogen sich aber erfolgreich zurück.

Mathias Osvat von der Uni Lund und Elin Karvonen von der Primaten-Forschungsstation Furuvik haben dann beobachtet, wie das Tier die Taktik änderte. Zunächst ging Santino mit Steinen in der Hand, aber aggressionslos auf sein Publikum zu. Am Weg fischte er sogar einen Apfel aus dem Wassergraben. Umso größer war die Überraschung, als er - kaum in Wurfweite - plötzlich angriff.

Veränderte Angriffstaktik


Als Nächstes versteckte er seine Geschosse bis zum Einsatz. Er legte Heuhaufen an und füllte seine Arsenale nur auf, wenn er sich unbeobachtet glaubte. Das spricht den Forschern zufolge für eine Täuschungsabsicht. Offenbar können Schimpansen nicht nur Tricks kombinieren, um ihre Opfer möglichst effektiv an der Nase herumzuführen. Sie planen ihre Betrügereien sogar im Voraus.

Auch andere Affen beherrschen Betrügereien. Forscher um Federica Amici von der Liverpool John Moores University hat die Fähigkeiten von Geoffroy-Klammer-, Hauben-Kapuziner- und Javaneraffen studiert. Bei den Tests versteckten sie Bananen oder Rosinen vor den Augen eines einzelnen Tieres. Dann ließen sie einen überlegenen Artgenossen dazu. Was dessen Anwesenheit bedeutete, war den Affen sofort klar: Wer jetzt die Futterkiste öffnete, würde nicht lange Freude am Leckerbissen haben. Also hielten sich die Tiere zurück. Erst wenn sie sich unbeobachtet glaubten, begannen Klammeraffen und Kapuziner, die Verstecke zu leeren. Die Javaneraffen aber wagten sich oft überhaupt nicht ans Futter. Das könnte an der besonders straffen Hierarchie dieser Tiere liegen. Wer sich als Javaner Frechheiten gegenüber dem Chef herausnimmt, wird sofort bestraft.