Gab es Schicksale oder Begegnungen in Ihrer Arbeit, die Sie nicht vergessen können?

Oh ja, davon gab es viele! Ich habe einmal einen Bären fotografiert, der von einer Tierschutzorganisation aus einer Gallenbär-Farm in Kambodscha gerettet wurde. Dort wird den Bären für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) täglich Gallensaft abgezapft, ihnen wird dafür ein Katheter gelegt. Der Bär musste vier Jahre lang in einem winzigen Käfig leben. Irgendwann wurden ihm sogar die Pfoten abgeschnitten, für Bärenpfotensuppe. Das hat er alles überlebt - und heute befindet er sich auf einem Gnadenhof. Interessanterweise bleibt er fast immer im Innenbereich der Anlage, wo er lieber seine Zeit bei den Menschen verbringt als mit den anderen Bären draußen. Ich habe ihn dort getroffen und werde ihn einfach nie vergessen, weil er so ein einzigartiger Charakter ist.

Aber auch die vielen Schweine, die ich immer in Massentierhaltungen sehe, kann ich schwer vergessen. Das sind so unglaublich kluge Tiere. Es ist wirklich schwer, ihre Blicke zu vergessen.

Sie fotografieren auch in landwirtschaftlichen Betrieben?

Es gibt Millionen von Tieren in unglaublich beengten Zuständen. Die Betreiber sind bemüht, dass diese schmutzigen Orte voller Tierquälerei nicht gezeigt werden. Wenn sie bildlich dargestellt werden, dann meist falsch, wie Hühner und Kühe auf grünen Wiesen. Das hat rein gar nichts mit der Lebensrealität dieser Tiere zu tun. Ich gehe an diese Orte, um sie sichtbar zu machen. Etwas zu sehen ist der erste Schritt. Im besten Fall folgt dann das Mitgefühl, das eine Veränderung hervorbringt.

Ihre Arbeit ist emotional belastend. Wie gehen Sie damit um?

Ich mache meine Arbeit, um etwas zu verändern. Wenn man Unrecht, egal welcher Art, beobachtet, kann man besser damit umgehen, wenn man sich handlungsmächtig fühlt, anstatt in Schockstarre oder Depression zu verfallen. Obwohl das eigentlich eine ganz natürliche Reaktion wäre. Man muss natürlich irgendwie auch optimistisch bleiben, sonst ist man nicht fähig, diese Arbeit zu machen.

Aktuell arbeiten Sie am "Unbound Project". Worum geht es dabei?

Interessanterweise sind es überwiegend Frauen, die sich für Tierschutz und Tierrechte engagieren, 60 bis 80 Prozent. In den NGOs machen sie die Basisarbeit, während meist Männer in den repräsentativen Positionen sitzen. All diese Frauen arbeiten unermüdlich für Tierrechte als Juristinnen, Journalistinnen oder Tierärztinnen. In jedem Fall haben sie in dieser Welt schon viel für Tiere bewegt. Und genau diese Frauen will ich mit dem "Unbound Project" sichtbar machen - und ihre Arbeit würdigen.