Das Weltraumteleskop James Webb (JWST), das vorige Woche aus einer Entfernung von 1,6 Millionen Kilometer seine ersten Bilder aus dem All zur Erde gefunkt hat, wurde bei Einschlägen winziger Meteoriten vergangenen Mai stärker beschädigt als angenommen. Das geht aus einem Bericht der Weltraumagenturen Nasa, ESA und der kanadischen CSA hervor, der auf dem Pre-Print-Server "arxiv" veröffentlicht wurde. "Ein einzelner Mikrometeoriten-Einschlag zwischen 22. und 24. Mai übertraf die vor dem Start erwartete Schadenshöhe", schreiben die Autoren.

Gesteinsbrocken mit einer Größe von einigen hundert Mikrometern bis zu einigen Millimetern seien im All keine Seltenheit, Zusammenpralle seien unvermeidlich. Nicht gerechnet habe man mit der Heftigkeit eines der insgesamt sechs Einschläge. Dieser war um den Faktor 120 größer, als die Modelle erwarten ließen.

Im Extremfall unbrauchbar

Anders als der Spiegel seines Vorgängers Hubble, welcher durch ein Gehäuse geschützt war, blickt der Segment-Spiegel von JWST offen ins All. Mit seinen Durchmesser von 6,5 Metern ist er den Widrigkeiten des Kosmos ausgesetzt. Etwa ein Mal im Monat prallen Mikrometeoriten auf ihn ein. Jedes der 18 Beryllium-Spiegelsegmente, die für die Optik des leistungsstärksten Teleskops jemals zuständig sind, kann einzeln bewegt werden. Daher konnten die Schäden so weit ausgeglichen werden, dass die Auflösung im erwarteten Qualitätsbereich liegt. Geblieben sei ein leicht gesteigerter Fehlerwert von neun Nanometern, der durch die Bildbearbeitung korrigiert werden müsse.

Ob das Bombardement ein seltenes Ereignis bleibt, bleibt abzuwarten. Das Boden-Team tüftelt laut Nasa an Maßnahmen, um künftige Einschläge abzumildern, damit nicht weitere von derselben Stärke das zehn Milliarden US-Dollar teure JWST im Extremfall unbrauchbar machen. (est)