Nun hat also auch der mRNA-Impfstoff von Moderna von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung erhalten: Das war am Mittwoch die gute Nachricht des Tages. Diese völlig neue Impfstofffamilie - zu der die Vakzine von Pfizer/Biontech, Moderna und Curevac gehören - gibt Hoffnung. Denn mRNA-Impfstoffe lassen sich in kurzer Zeit in großen Mengen produzieren und sind leicht zu modifizieren. Ein neues Impfstoffwerk für Pfizer/Biontech wird gerade in Marburg aus dem Boden gestampft und soll im Februar mit der Produktion beginnen. Sollte übrigens der Curevac-Impfstoff keine Zulassung erhalten, könnte man die Curevac-Anlagen in Tübingen für die Herstellung des Pfizer/Biontech-Impfstoffs nutzen und so die Produktionskapazitäten auslasten. Es ist erfreulich, dass europäische Spitzenforschung auf diesem Feld der Impfstoffpioniere vorne mit dabei ist.

An der EU-Impfstoffstrategie gibt es aber nach wie vor Kritik: Es sei zu wenig Impfstoff bestellt worden, heißt es etwa in Deutschland. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) konterte, der Flaschenhals sei bei den fehlenden Produktionskapazitäten und nicht bei den zu geringen Bestellmengen zu verorten: "Ich kann noch zehn Verträge schließen, aber es wird am Anfang trotzdem nicht schneller gehen." Die Kritik an der EU wies auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel betont cool zurück: "Wenn ich mal auspacke, was wir schon für Fehler gemacht haben", sagte Merkel, "dann wird’s aber lustig." Sie finde es schon "sehr selbstbewusst, wie wir hier über andere urteilen". Merkels beweist wieder einmal Sinn für Fairness.

Für eine schonungslose Fehleranalyse, die aber auch gnädig berücksichtigt, dass man im Nachhinein immer klüger ist, plädiert der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Marcel Fratzscher, in einem Beitrag im "Spiegel". Bei der Impfstoffbeschaffung wurde vieles richtig gemacht, schreibt Fratzscher. Die Impfstoffforschung wurde massiv gefördert, riesige Mengen an Impfstoff zu einem Zeitpunkt bestellt, zu dem man noch gar nicht wusste, welcher Impfstoff am Ende erfolgreich sein würde. Dass darauf vergessen wurde, zeitgleich auch Anreize zum Aufbau von Produktionskapazitäten zu schaffen, räche sich jetzt.

Was die Fehlerkultur betrifft, steht Österreich noch deutlich schlechter da als Deutschland. Statt auf Hilfestellung zu hoffen, ist es realistischer, mit Schadenfreude zu rechnen.

Verantwortung wird in Österreich nicht übernommen, sondern delegiert. Das muss sich ändern.

Der 1989 verstorbene irische Schriftsteller Samuel Beckett hat den passenden Kalenderspruch zur Pandemiebewältigung: "Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better."