"Hallo, wie ihr wisst, ist mein Salon ja zu. Aber ich mache auch Hausbesuche und lasse mich vorher natürlich testen." Spätestens im dritten Lockdown hat der eine oder andere von seinem Frisör, seiner Osteopathin, seiner Nageldesignerin oder seinem Personal Trainer die eine oder andere WhatsApp-Nachricht bekommen, die in diese oder eine ähnliche Richtung geht: Es ist Lockdown, vieles hat zu, aber unter der Hand geht immer was. Wenn die Wirtschaft am Sand ist, hat der Pfusch Hochkonjunktur. Das ist während der Pandemie nicht anders.

Marina Delcheva ist Leiterin des Ressorts "Wirtschaft" bei der "Wiener Zeitung".
Marina Delcheva ist Leiterin des Ressorts "Wirtschaft" bei der "Wiener Zeitung".

Der Ökonom Friedrich Schneider geht davon aus, dass im Vorjahr rund 25,7 Milliarden Euro schwarz erwirtschaftet wurden. Dies ist der größte Anstieg seit 20 Jahren und macht 7 Prozent der - stark eingebrochenen - Wirtschaftsleistung aus. Dem Staat entgehen dadurch zwischen 2 und 3,5 Milliarden Euro jährlich. Geld, das heuer besonders dringend benötigt wird angesichts der 520.000 Arbeitslosen. Außerdem schwächt die Schwarzarbeit jedes redlich wirtschaftende Unternehmen durch Lohn- und Preisdumping. So weit, so klar.

Bei der ganzen Debatte rund um die Schwarzarbeit wird allerdings gern übersehen, dass sie eine nicht unbedeutende Konsumförderung vor allem für kleine und mittlere Einkommen darstellt. Weil ja das nicht ganz legal erwirtschaftete oder ersparte
Geld meist direkt in den Konsum fließt. Und ohne diese fast 26 Milliarden Euro wäre die Rezession im Vorjahr wohl auch deutlich heftiger ausgefallen.

Der Pfusch, so heißt es, sei der Wohlstand des kleinen Mannes. Für viele Häuslbauer wäre sich das Eigenheim mit Garten auf Rechnung nie ausgegangen. Wohl auch deshalb sehen viele die Schwarzarbeit gar nicht als Gesetzesbruch an. Je nach Umfrage halten 60 bis 70 Prozent der in Österreich lebenden Menschen Pfusch für ein Kavaliersdelikt, das sie auch gar nicht zur Anzeige bringen würden. Für den Staat ist das natürlich schlecht. Aber er könnte durchaus etwas dagegen tun. Zum Beispiel durch die Wiedereinführung des Handwerkerbonus oder durch mehrjährige Sperren bei öffentlichen Aufträgen für jene Firmen, die nachweislich an der Steuer und der Sozialversicherung vorbeigewirtschaftet haben.

Oder aber er könnte die im OECD-Schnitt sehr hohen Abgaben auf Arbeit senken. Das würde viele Dienstleistungen billiger machen und damit den Anreiz, sie schwarz anzubieten, senken.

Nun sind Steuersenkungen in Zeiten milliardenschwerer Hilfspakete wohl nicht drin. Stattdessen könnte man Dinge besteuern, die man nicht so gern hat, zum Beispiel CO2. Oder jene, die dank steigender Aktienkurse und Digitalisierung trotz Krise Gewinne verbuchen.