Mehr als 800 Festnahmen in 16 Ländern, davon allein 81 in Österreich: Es war ein massiver Schlag gegen das organisierte Verbrechen, der am Montag von den Behörden unter dem Decknamen "Trojan Shield" gesetzt wurde. Laut Ermittlern waren die Verdächtigen in rund 100 Staaten aktiv.

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Die "Operation Trojanerschild" veranschaulicht, was Experten längst wissen: die gewaltige Dimension der global agierenden kriminellen Netzwerke rund um den hochprofitablen Drogenhandel. Ausmaß und Komplexität der staatlichen Gegenwehr hätte man allerdings eher für ein Drehbuch aus der Fantasiewelt Hollywoods gehalten, so überraschend, beeindruckend und durchaus auch beängstigend ist diese im konkreten Beispiel ausgefallen.

Wenn stimmt, was bisher bekannt ist, haben die USA die Verurteilung des Chefs einer von Kriminellen genutzten Verschlüsselungsplattform genutzt, um ein Kryptohandy zu entwickeln, das absolute Datensicherheit vorgaukelt, jedoch von den US-Ermittlern beim FBI abgesaugt wird, und dieses massenhaft in der einschlägigen Unterwelt zur Verbreitung gebracht. Mehr als 27 Millionen Nachrichten von rund 12.000 Kryptohandys, die von mehr als 800 Verbrechersyndikaten genutzt wurden, sind demnach abgehört und von europäischen und US-Behörden ausgewertet worden.

Gesetzesbrecher sind den Ordnungshütern zwangsläufig und zum Leidwesen gesetzestreuer Bürger stets einen Schritt voraus; mit den unbegrenzten Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten der Digitalisierung kann der Staat diesen strukturellen Nachteil zumindest dann in einen Vorteil umdrehen, wenn er bereit ist, sich dafür das Recht gewähren zu lassen - oder es sich einfach zu nehmen. Nichtstun ist allerdings keine Alternative. Gerade der liberale Rechtsstaat, der Sicherheit und Freiheit seiner Bürger schützt, muss auch der globalisierten Kriminalität Paroli bieten können.

Wie immer, ist jeder Staat für sich dabei hilf- und chancenlos. Nur gemeinsam und - auch das macht "Trojan Shield" deutlich - unter Einbindung, wenn nicht Führung der Digitalnation Nummer eins, der USA, lassen sich Nadelstiche gegen die organisierte Kriminalität setzen, die diese auch schmerzhaft spürt. Mehr ist, zumindest derzeit, kaum möglich.

Bleibt zum Schluss die (allerdings nicht ganz ernst gemeinte) Frage, ob "Operation Achilles" wirklich der ideale Namensgeber für die österreichische Beteiligung war. Nicht nur wegen seines maßlosen Zorns, sondern vor allem wegen seiner Ferse, die bekanntlich der einzig verwundbare Punkt des griechischen Helden vor Troja war. Glücklicherweise hatte der Name keine Folgen für den Erfolg des Großmanövers.