Feste Prinzipien sind eine tolle Sache, sie lassen sich nur so schwer durchhalten. Wenn heute, Freitag, die Olympischen Winterspiele in Sotschi mit Pomp und kitschigem Pathos eröffnet werden, wird kein Medium, das auf sich hält, vergessen, auf schmutzige Flecken in Wladimir Putins Reich hinzuweisen. Mitunter drängte dieser Aspekt sogar den Sport in den Hintergrund.

Sollte er auch: Wer will schon den dubiosen Gesellen vom IOC samt angeschlossener Wirtschaftslobbys mit ihrem seichten Gerede von Friede, Freude, Sportmilliarden die Deutungshoheit kampflos überlassen. Es geht darum, durch den Fokus auf Menschenrechte, Willkür, Umweltzerstörung und fehlende Mitbestimmung den Imagegewinn für autoritäre Regime so gering wie möglich zu halten.

Nicht, dass der Welt, in der wir leben, Unterdrückung, Machtmissbrauch oder Korruption nicht wichtig wären; das sind sie natürlich. Nur bestimmen diese Kriterien nicht über den Fortgang der Dinge. Das war nie so und wird auf absehbare Zeit auch nicht so sein. Niemand, der die Chance auf ein Zig-Milliarden-Geschäft hat, schraubt dieses ohne Not auf ein paar hundert Millionen zurück.

Unverblümter drückt es der in den Status des Halbheiligen erhobene deutsche Ex-Kanzler Helmut Schmidt aus, der Staaten überhaupt das Recht abspricht, anderen zu erklären, wie sie es mit den Menschenrechten zu halten hätten. Stattdessen müssten Stabilität und Frieden das höchste Ziel der Außenpolitik sein - selbst dann, wenn diese auf Kosten der Bürgerrechte gingen.

Damit löckt der 95-jährige unverdrossene Kettenraucher natürlich genüsslich gegen die moralische Rhetorik unserer Zeit, weiß er doch, dass in der Realität ohnehin eine andere Melodie angeschlagen wird - in Afghanistan, im Irak, vor allem in Syrien, im Umgang mit Russland, China, Saudi-Arabien.

Und Olympia in Sotschi ist ja ohnehin nur der Auftakt zu einer beeindruckenden Serie an Superevents in Putins Reich: Nach den fünf Ringen zieht es künftig den Formel-1-Zirkus ans Schwarze Meer; 2015 und 2016 gastieren Schwimm- und Eishockey-WM; 2018 dann der absolute Höhepunkt im globalen Sport-Bizz: die Fußball-WM, die im Jahr davor mit dem Confederations-Cup die Generalprobe erfährt.

Da passt es gut, dass Wiederholungen zum Wesen des Journalismus gehören.