Zu jedem Ding können die Standler am Flohmarkt eine Geschichte erzählen. - © Sabine Karrer
Zu jedem Ding können die Standler am Flohmarkt eine Geschichte erzählen. - © Sabine Karrer

Wien. Für Enikö gibt es kein schlechtes Wetter. Nur schlechte Kleidung. Jeden Samstag baut sie am Flohmarkt Kettenbrückengasse ihren drei mal drei Meter großen Stand auf. Auch wenn vor kurzem noch brauner Matsch den grauen Asphalt bedeckt hat oder feiner Niesel-Regen unaufhörlich auf den Stand der Altwarenhändlerin geprasselt hat: Die Besucher bleiben nicht aus.

Wie zum Beispiel Paul, der gemeinsam mit seiner Freundin nach einer neuen Armatur sucht. "Wenn andere ins Museum gehen, stöbere ich lieber auf Flohmärkten", bekennt sich der 27-Jährige zu seiner Leidenschaft. "Ich finde es einfach lustig, was die Leute alles verkaufen und kaufen. Auch hinter den absurdesten Sachen stecken immer Geschichten, anders, als wenn ich zum Beispiel im Baumarkt oder beim H&M was kaufe." Nur eines macht Paul auf Flohmärkten nicht mehr: "Ich habe schmerzhaft gelernt, auf Flohmärkten keine Elektronik mehr zu kaufen."

Nebenan breitet ein Standler ein Teil nach dem anderen auf seinem Teppich aus. Rund um ihn bildet sich eine Menschenmenge. Alle warten gespannt, was er aus seinen Plastiktaschen zaubert. Ein altes Holzauto kommt zum Vorschein, ein paar Porzellanfiguren, aber auch viel Ramsch. "Ich habe alles, nur Geduld", ruft er einer Besucherin zu, die etwas Bestimmtes sucht. Die privaten Verkäufer sind heute weitgehend ausgeblieben, Händler wie Enikö harren tapfer aus. Seit fünf Jahren betreibt die Mitvierzigerin ihren Stand am Naschmarkt. "Im Sommer kommen zwar viel mehr Besucher, aber weniger Käufer", weiß sie. "Manche sammeln Gegenstände aus einer bestimmten Zeitepoche, andere wollen nur Silber, dann gibt es wieder Hausfrauen, die günstige Gebrauchsgegenstände suchen", sagt sie. 128 Euro bezahlt sie selbst jeden Monat dem Magistrat. Bleiben die Besucherströme aus, packt sie auch einmal früher zusammen. So wie heute.

Elfie kennt das Flohmarktleben bereits seit 40 Jahren. Sie lebt nicht nur vom Verkauf ihrer Waren, sondern teilt auch ihre Leidenschaft für die indische Kultur mit ihren Käufern, von denen manche inzwischen zu Stammkunden oder gar Freunden geworden sind. Am Flohmarkt liebt die ältere Dame den direkten Kontakt mit den Menschen. Und die lieben es, nicht nur einen Gegenstand zu kaufen, sondern auch die Geschichte dahinter zu erfahren. "Das ist der Hindu-Gott Ganesha", erklärt Elfie der Kundin, die sich für eines der schweren Eisenschlösser interessiert. "Angeblich soll das Glück bringen." Die Kundin ist überzeugt und kauft. Natürlich nicht, ohne zu handeln. "Darum geht es hier am Flohmarkt ja auch: dass man feilschen, dass man Schnäppchen finden kann", ist der erfahrenen Händlerin bewusst.